Florian Hüppeler (BA) zu Gast an der norwegischen Polizeihochschule

Mit ERASMUS+ zur norwegischen Polizeihochschule nach Oslo – Einblicke in die neuesten IT-Standards und Technologien

Florian Hüppeler (BA) zu Gast an der norwegischen Polizeihochschule

Ein Interview mit dem IT-Verantwortliche der Akademie der Polizei Hamburg, Florian Hüppeler.

Redaktion: Herr Hüppeler, Sie sind Leiter  des Sachbereiches Technischer Support und IT an unserer Akademie und hatten im Oktober 2015 im Rahmen des ERASMUS+ Programms die Gelegenheit zu einem Aufenthalt an der norwegischen Polizeiakademie in Oslo. Mit welchen Erwartungen haben Sie diese Reise angetreten?

Florian Hüppeler: Als Verantwortlicher für den Bereich IT war für mich von besonderem Interesse, mit welcher technischen Ausstattung die norwegische Polizei arbeitet und  wie dort die täglichen IT-Abläufe sind.

Redaktion: Was unterscheidet die norwegische Polizei von der Polizei Hamburg im Hinblick auf die technische IT-Ausstattung?

Florian Hüppeler: Viele Themenstellungen, wie der mobile Streifenwagen oder die Bereitstellung der Polizei-PCs über das Internet hinweg, wurden erfolgreich nach den neuesten Standards und Technologien umgesetzt. Als Beispiel möchte ich nennen, dass alle Polizeibeamten in Norwegen über eine Citrix Softwarelösung auf virtualisierte Polizei Desktops zugreifen können. Der Zugriff auf diese Desktops kann von jedem normalen internetfähigen PC oder Tablet aus erfolgen. Dafür wird eine ähnliche Zwei-Faktor-Authentifizierung genutzt, wie es in Hamburg geschieht.

Ein weiterer interessanter Punkt ist die Bereitstellung von PCs und Notebooks im akademieeigenen Netzwerk. Auch in Norwegen werden zwei getrennte Netzwerke für die Ausbildung und für den Polizeibetrieb genutzt. Dort sind nur ein Notebook- und ein Desktop-PC Modell für alle verfügbar. Alle drei Jahre werden die Geräte zeitgleich ausgetauscht.

Der verantwortliche Bereich der Akademie kauft seit Jahren keine Computer-Hardware mehr, sondern least alle Geräte mit einem Austausch-Service, der vor Ort stattfindet. Die Mitarbeiter haben nach dem Austausch die Möglichkeit, die alten Geräte, bei Zahlung des Restwertes, privat zu übernehmen.

IT Team Oslo

Redaktion:  Herr Hüppeler, Sie erwähnten, dass sich die technische Ausstattung zwischen der norwegischen Polizei und der Polizei Hamburg unterscheidet.

Welche strukturellen Unterschiede bestehen zwischen den beiden Polizeien?

Florian Hüppeler: Die Struktur der Polizeiausbildung in Norwegen ist nicht mit der deutschen Ausbildungs- und Studienstruktur zu vergleichen. Ein großer Unterschied ist, dass die Studierenden für das Studium, im Gegensatz zu Hamburg, kein Gehalt bekommen und nicht vom ersten Tag der Ausbildung bzw. Studium an verbeamtet sind. Nach Abschluss des Studiums  müssen sich die Studenten auf freie Stellen in ganz Norwegen bewerben und werden erst dann in den Staatsdienst übernommen.

Redaktion: Man sagt den Skandinaviern nach, dass sie von der Mentalität her eine eher ruhige Lebensart bevorzugten. Können Sie dieses bestätigen?

Florian Hüppeler: Meine erste positive Erfahrung in Oslo war in der Tat die ruhige Lebensart der Menschen. Wenn es Probleme im IT-Bereich gab, so wurden diese in aller Ruhe behoben - die Kunden, in der Regel die Lehrer, die Dozenten, die Verwaltungsmitarbeiter, die Leitung oder die Studierenden haben immer gelassen auf eine Lösung des Problems gewartet. Die Kolleginnen und Kollegen in der IT-Abteilung haben mich freundlich und sehr hilfsbereit aufgenommen. Bei Fragen und Problemen wurde mir immer sehr schnell geholfen. Von der ersten Minute an habe ich mich in einer doch etwas fremden Welt sehr wohl gefühlt. Die in englischer Sprache geführten Gespräche Sprache konnte ich gut verstehen. Nur wenn die Mitarbeiter spontan in ihrer Muttersprache zu sprechen  begannen, konnte ich den Gesprächen nicht immer folgen. Sobald der Sprechende dieses aber bemerkte, wurde sofort in die englische Sprache gewechselt.

Redaktion: Herr Hüppeler, nun noch ein Blick auf das Organisatorische - wie gestalteten sich die Anreise und Ihr Aufenthalt in Oslo?

Florian Hüppeler: Die Anreise per Flugzeug von Hamburg aus war mit Germanwings sehr angenehm und ich konnte entspannt am Sonntagabend in Oslo landen. Das Erreichen der Akademie vom Flughafen Oslo aus wurde mir ausführlich von Torje, dem Leiter des International Office der Akademie, kurz vor Antritt der Reise per E-Mail mitgeteilt. Der Weg und der Bezug des Zimmers waren sehr gut beschrieben, so dass ich problemlos meine Unterkunft im Wohnheim der Akademie beziehen konnte.

Gebäude der Akademie

In der Mensa der Akademie hatte ich täglich die Möglichkeit, drei Mahlzeiten einzunehmen, für die ich einen bestimmten Tagessatz an Zuschüssen zur Verfügung gestellt bekommen hatte und der völlig ausreichend war.

Am ersten Tag erhielt ich von Torje die Zugangskarte für die Akademie und wurde mit den Örtlichkeiten der Akademie vertraut gemacht. Nach dem Lunch wurde ich in der IT Abteilung vorgestellt und nach einer kurzen Besprechungsrunde mit dem IT-Leiter fand das erste Treffen mit den Mitarbeitern vom Helpdesk statt. Die nächsten Tage habe ich dann in dieser Abteilung verbracht.

Redaktion: Wie ist Ihr Fazit über Ihren Aufenthalt in Oslo?

Florian Hüppeler: Der einwöchige Aufenthalt war für mich sehr lohnenswert. Ich konnte in den Tagen gute Einblicke in die täglichen IT Abläufe gewinnen und einige gute Ideen mit nach Deutschland nehmen. Andererseits konnte auch ich einige gute Ideen in Norwegen einbringen und Interesse für Arbeitsprozesse  wecken.  Als Resumé kann ich feststellen, dass ich, sobald sich die Gelegenheit ergeben sollte, wieder die Förderung aus dem Erasmus+-Programms nutzen werde, um mich auf diesem Wege fortzubilden.

Redaktion: Vielen Dank für das Gespräch, Herr Hüppeler.

Abenddämmerung Oslo