Gedenkstein der Polizei Hamburg in Józefów – Polen

Am 8. September 2016 wurde ein Gedenkstein im polnischen Józefów eingeweiht. Vertreter der Akademie der Polizei Hamburg nahmen an der Einweihungszeremonie teil.

Gedenkstein der Polizei Hamburg in Józefów – Polen

Gedenkstätte Polen

Am 8. September 2016 wurde ein Gedenkstein im polnischen Józefów eingeweiht. Vertreter der Akademie der Polizei Hamburg nahmen an der Einweihungszeremonie teil.
Józefów ist eine Gemeinde mit ca. 7.500 Einwohnern im Südosten Polens nahe der Grenze zur Ukraine inmitten von großen Wäldern und Naturschutzgebieten. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts gab es hier eine Papierfabrik und zwei Druckereien, in denen hebräische religiöse Schriften hergestellt wurden. 1921 lebten 1.344 Menschen in Józefów, davon 1.050 Juden. Während der deutschen Besetzung wuchs die Zahl durch deportierte Juden aus Polen und Europa auf bis zu 2.300. Heute leben keine Juden mehr in Józefów.

Am 13. Juli 1942 wurden die jüdischen Einwohner von den Männern des 101. Reserve-Polizeibataillons aus Hamburg auf dem Marktplatz von Józefów zusammengetrieben. Nachdem arbeitsfähige Männer aussortiert waren, wurden die übrigen 1.500 jüdischen Männer, Frauen und Kinder in ein nahegelegenes Waldstück gebracht und von Bataillonsangehörigen erschossen. Bettlägerige Menschen wurden direkt in ihren Betten ermordet. Der Bataillonskommandeur, Major Trapp, hatte seinen Männern angeboten, wenn sie sich „der Aufgabe nicht gewachsen fühlten“, sie von den Erschießungen freizustellen. Nur 10 bis 12 Männer nahmen dieses Angebot sofort an. Einige weitere Männer meldeten sich noch während des Einsatzes. Für alle blieb die Meldung folgenlos und sie wurden anderweitig verwendet.

Das Massaker von Józefów war die erste Mordaktion durch das Hamburger Reserve-Polizeibataillon 101. Es blieb aber nicht die letzte. So nahm das Bataillon auch an der sogenannten „Aktion Erntefest“ am 3. und 4. November 1943 teil, bei der in Majdanek und zwei weiteren Lagern 42.000 Juden ermordet wurden, und führte Deportationen von Juden in Durchgangs- und Vernichtungslager als Teil der Tötungsmaschinerie des Naziregimes durch.
Die Taten des 101. Hamburger Reserve-Polizeibataillons sind im Polizeimuseum an der Akademie der Polizei dokumentiert.

Gedenkstätte Polen

(v.l.n.r. Reporterin des polnischen Rundfunks, Dolmetscher Herbert Ulrich, Martin Bähr)

Seit 2001 führt die Polizei Hamburg mit Polizeiauszubildenden und –studierenden der Akademie Gedenkstättenfahrten „auf den Spuren des 101. Hamburger Reserve-Polizeibataillons“ nach Polen durch. Die Fahrt wurde durch den damaligen pädagogischen Leiter an der LPS und späteren Polizeipräsidenten Wolfgang Kopitzsch geplant und begleitet.
Während der Gedenkstättenfahrt der Akademie der Polizei Hamburg werden u.a. die ehemaligen Konzentrationslager Majdanek, Auschwitz I (Stammlager) und Auschwitz II (Auschwitz-Birkenau) und das  ehemalige Vernichtungslager Bełzec, aber auch Orte damaligen und heutigen jüdischen und polnischen Lebens wie Lublin, Krakau, Kazimierz Dolny und Zamość besucht. Ein wichtiger Gedenkort ist der Tatort des Massakers in Józefów. Vor einigen Jahren wurden an diesem Tatort auch Massengräber identifiziert und kenntlich gemacht.

Für die Polizeiauszubildenden und –studierenden der Akademie der Polizei ist es immer wieder tief erschütternd, an einem Ort zu stehen, an dem Angehörige der Polizei Hamburg ein Massaker an jüdischen Menschen verübt haben und an dem sie sich mit den Handlungen und Beweggründen der damaligen Täter auseinandersetzen müssen.

Während der Gedenkstättenfahrt 2015 kam die Idee auf, einen neuen Gedenkstein der Polizei Hamburg aufzustellen, um deutlich zu machen, dass die Polizei sich zu ihrer Verantwortung bekennt. Mit Unterstützung des polnischen Generalkonsulats in Hamburg konnte Kriminaldirektor Martin Bähr das Einverständnis des Gedenkstättenrates in Warschau erwirken. Der Bürgermeister von Józefów war sofort begeistert und unterstützte das Vorhaben mit großer Tatkraft. Ein örtlicher Steinmetz entwickelte einen Vorschlag für die Gedenkstätte und setzte den Entwurf aus Sandstein um. Der Sandstein stammt aus einem Steinbruch, der am Ortsrand von Józefów liegt. Die Kosten für das Mahnmal teilten sich je zur Hälfte die Akademie der Polizei und die Gemeinde Józefów. Der Polizeiverein Hamburg, der seit Jahren die Gedenkstättenfahrten der Akademie der Polizei großzügig finanziell unterstützt, übernahm den größten Teil für die Polizei.


Gedenkstätte Polen

(v.l.n.r. Frank Trawny, Carola Steenbeck, Martin Bähr, Rima Neumann, Josef Avni (Vertreter der Angehörigen der Opfer von Józefów), Wolfgang Kopitzsch)

Am 08. September 2016 wurde der Gedenkstein nun in Anwesenheit von Josef Avni, einem Vertreter der Angehörigen der Opfer von Józefów, Gemeinde- und Woiwodschaftsvertretern sowie einer Delegation aus Hamburg, zu der Rima Neumann, Frank Trawny und Carola Steenbeck als Vertreter der Akademie der Polizei sowie Kriminaldirektor Martin Bähr gehörten, eingeweiht. Die Inschrift auf dem Stein lautet:

„In Gedenken an mindestens 1500 jüdische Kinder, Frauen und Männer aus Józefów, die dort am 13.07.1942 durch Polizisten des 101. Reserve-Polizei-Bataillons aus Hamburg ermordet wurden

in Demut verbeugen wir uns vor den Opfern Polizei Hamburg 2016“

Gedenkstätte Polen