Erinnern gegen das Vergessen: in Gedenken an die Opfer des Massakers von Józefów vor 75 Jahren

Am 13. Juli 1942 überfiel das Hamburger Reserve-Polizeibataillon 101 die polnische Kleinstadt Józefów. Mit dem Auftrag, das damalige jüdische Ghetto zu räumen, indem die arbeitsfähigen Männer in Arbeitslager deportiert und die übrige Bevölkerung erschossen werden sollte, wurde die erste Mordaktion des Bataillons im besetzten Polen eingeläutet.

Erinnern gegen das Vergessen: in Gedenken an die Opfer des Massakers von Józefów vor 75 Jahren

Gedenkstein in Józefów

Bei dieser Aktion wurden mindestens 1500 Kinder, Frauen und Männer in einem Waldstück ermordet, etwa 300 Männer wurden zwangsweise in Arbeitslager verschickt.

Im Wald von Józefów steht neben den Massengräbern der Opfer seit dem letzten Jahr ein 3,30m x 6,00m großes Denkmal als zentraler Erinnerungs- und Gedenkort. Das Denkmal wurde je zur Hälfte durch die Gemeinde Józefów und die Akademie der Polizei Hamburg mit Unterstützung des Polizeivereins Hamburg e.V. und der Böttcher-Stiftung finanziert.

Nachdem am 13. Juli dieses Jahres eine Delegation der Akademie der Polizei Hamburg anlässlich des 75. Jahrestages des Massakers von Józefów vor Ort der Opfer gedacht hatte, fand am 08. September 2017, dem ersten Jahrestag der Einweihung des Denkmals, aus diesem Anlass und zu Ehren der Opfer eine Gedenkveranstaltung im Polizeilichen Ausbildungszentrum statt.

Musikalisch wurde die Gedenkveranstaltung durch ein Ensemble des Hamburger Polizeiorchesters begleitet.

Während der Polizeipräsident Ralf Martin Meyer die Gäste begrüßte und in seiner Ansprache von seiner Teilnahme an der Gedenkstättenfahrt nach Polen und dem Besuch in Józefów im letzten Jahr berichtete, lieferte Rima Neumann als langjährige Begleiterin der Gedenkstättenfahrt Hintergründe zum Wirken des Hamburger Reserve-Polizeibataillons 101 in Polen, speziell zum Massaker in Józefów.

Mit Hilfe einer kleinen Filmsequenz gab Kriminaldirektor Martin Bähr den Anwesenden einen Einblick über die Stadt Józefów, deren Historie, Tatort und Gedenkstein. Darüber hinaus stellte er vor, wie es von der Idee, über die Entstehung bis hin zur Einweihung des Denkmals im letzten Jahr kam.

Jozef Avni, ein Angehöriger der Opfer von Zeitzeugen, reiste aus Haifa, Israel, an, um auf die Wichtigkeit des Gedenkens, an das, was am 13. Juli 1942 in Józefów passierte, aufmerksam zu machen. Auf sehr emotionale Art schilderte er von den Erzählungen seiner Familienangehörigen, die aus Józefów stammten, aber vor der Räumung des Ghettos fliehen konnten. Andere Familienmitglieder wie seine Tante und sein Onkel wurden am 13. Juli 1942 in Józefów erschossen. Ebenso berichtete er, wie er mit israelischen Gruppen regelmäßig nach Józefów fahre. Jozef Avni dankte der Polizei Hamburg für ihr Engagement, die Opfer zu ehren.

Die Stadt Józefów ließ ein Grußwort verlesen. Bevor der Leiter des Generalkonsulats der Republik Polen in Hamburg, Konsul Piotr Golema, in seinem Vortrag die Bedeutung der deutsch-polnischen Erinnerungsarbeit betonte, lobte er die Bereitschaft und die Bemühungen der Akademie der Polizei Hamburg, sich mit der eigenen Geschichte auseinanderzusetzen.

In seinem Schlusswort wies Akademieleiter Thomas Model auf die Bedeutung von Erinnern und Gedenken innerhalb der Akademie hin, welche in Ausbildung, Studium und Fortbildung gelebt und erfahren werde – und damit der gesamten Polizei Hamburg zugutekomme.

Die Veranstaltung endete mit einer Gedenkminute für die Opfer des Massakers von Józefów.

Am Abend des 08. Septembers 2017 fand, initiiert durch die Akademie der Polizei Hamburg sowie die Deutsch-Polnische Gesellschaft Hamburg e.V., eine Andacht zum Thema „Stein der Demut" in der Krypta der St. Nikolai Kirche statt.

Die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit am Beispiel des Massakers von Józefów reiht sich in die regelmäßig stattfindenden Aktivitäten der Akademie der Polizei Hamburg, wie zum Beispiel den Holocaust-Gedenktag oder die Gedenkstättenfahrt nach Polen, ein.

Gruppenbild mit Ehrengästen