Forschungsprojekt "Informationsmanagement in der Einbruchssachbearbeitung"

Der Anstieg der Wohnungseinbruchsdelikte der letzten Jahre in Deutschland und im Besonderen in Großstädten wie Hamburg, hat diese Form der Kriminalität in den Fokus der Polizeiarbeit gerückt.

Forschungsprojekt "Informationsmanagement in der Einbruchssachbearbeitung"

Statistik Einbruchszahlen

Projektleitung: Prof. Dr. Stefanie Kemme, Prof. Dr. Wilfried Honekamp

Zeitraum: 01.12.2015 – 30.11.2016

Finanzierung: Polizei Hamburg

Das Landeskriminalamt (LKA) Hamburg unterhält aus diesem Grund seit Mitte 2015 die Besondere Aufbauorganisation (BAO) "Castle" zur Bekämpfung der schweren Einbruchskriminalität.

Um verbesserte Entscheidungsgrundlagen polizeilicher Maßnahmen zu schaffen und die Struktur der Tätergesamtheit zu erhellen, führt das LKA Hamburg das Forschungsprojekt "Prädiktionspotenzial schwere Einbruchskriminalität" durch. Im Rahmen dieses Projekts hat der Fachhochschulbereich an der Akademie der Polizei das Teilprojekt „Informationsmanagement in der Einbruchssachbearbeitung" übernommen.

Das LKA-Projekt hat konkret die Optimierung polizeilichen Wissensmanagements und Möglichkeiten der Prädiktion von Einbruchskriminalität zum Thema. Um diese Forschungsziele zu erreichen, soll zunächst eine verbesserte Datengrundlage geschaffen werden. Anhand dieser Daten kann anschließend das "Near-Repeat-Phänomen" untersucht werden. Diese Theorie besagt, dass in der Nähe eines Tatorts weitere Einbrüche zu erwarten sind. Somit birgt die Überprüfung dieser Theorie in Hamburg einen praktischen Mehrwehrt für die Polizeiarbeit, besonders auf dem Feld des "Intelligence Led Policing", also der informationsgeleiteten Polizeiarbeit. Des Weiteren können aus verbesserten Daten und optimiertem Wissensmanagement Indikatoren zur Unterscheidung verschiedener Tätertypologien entwickelt werden.

Im Rahmen des Teilprojekts am Fachhochschulbereich der Akademie untersucht Prof. Dr. Stefanie Kemme die Überprüfung der bestehenden Vorgehensweisen und Routinen der Ermittlungsarbeit und die Identifikation potentieller Optimierungsmöglichkeiten der Suchroutinen und Seriendefinitionen. Prof. Honekamp untersucht die Effektivität verschiedener Tools zur Unterstützung der kriminalpolizeilichen Sachbearbeitung am Beispiel des Wohnungseinbruchs.

Erster Schritt des Teilprojekts war die Durchführung einer Projektwoche zum Thema Einbruchskriminalität. Dabei wurden neben einem ausführlichen Literaturstudium auch die verschiedenen polizeilichen, öffentlichen und kommerziellen Informationssysteme gesichtet. Darüber hinaus wurde anhand eines Aktenstudiums ein Auswerteraster für eine mögliche Aktenanalyse mit Fokus auf die Einbruchssachbearbeitung entwickelt.

In einem zweiten Schritt wird eine Online-Befragung aller in der Einbruchssachbearbeitung tätigen Kriminalbeamten der Polizei Hamburg stattfinden. Die Ermittlungsarbeit wird auf Basis geschlossener und offener Fragen untersucht. Aspekte der Befragung sind u.a. die Informationsweitergabe ebenso wie die Nutzung von polizeilichen Recherchetools. Bei den verschiedenen Polizeiinformationssystemen, die zur Erfassung und Ermittlung von Straftaten genutzt werden, werden Wechselwirkung, Stellenwert und Informationsgehalt der Tools geprüft. Des Weiteren werden die Kriminalsachbearbeiter bezüglich ihrer Definition von Serien befragt. Sowohl das kriminalistische Erfahrungswissen der Ermittler, als auch Faktoren wie geplante polizeiliche Maßnahmen oder der Aufklärungsstatus der Taten werden als Variablen dieser Definition untersucht. Parallel dazu werden Informationssysteme zur Unterstützung der Polizeiarbeit am Beispiel des Wohnungseinbruchs im Rahmen von Bachelorarbeiten evaluiert.

Die gewonnenen Ergebnisse des Projektteils der Akademie der Polizei werden einen umfassenden Einblick in die Ermittlungsroutinen der Kriminalsachbearbeiter geben und potentielle Optimierungsbereiche offenlegen.