Start der neuen Vortragsreihe

Auftaktveranstaltung: "Sicherheit, Recht und Vertrauen in der digitalen Gesellschaft."

Start der neuen Vortragsreihe


Gleich zu Beginn stellte Akademieleiter Thomas Model fest, der Umgang mit der Wahrheit in Politik, Wirtschaft und Medien fordere alle gesellschaftlichen Kräfte und Institutionen heraus, die Polizei sei dabei eine im besonderen Maße der Wahrheit verpflichtete Institution. Erleben wir etwa das „Ende der Aufklärung?“, fragte Prof. Dr. Stephan Russ-Mohl, Direktor des Europäischen Journalismus Observatoriums, anlässlich der Auftaktveranstaltung der neuen Reihe „Sicherheit, Recht und Vertrauen in der digitalen Gesellschaft“. Gezielte Lügen, Fake News und Halbwahrheiten – die Desinformation in den digitalisierten Welten und den sozialen Medien kennt scheinbar keine Grenzen mehr.

Mit Blick auf die Fake News hätten wir es geradezu mit einer „Pest der digitalen Gesellschaft“ zu tun. Der Journalismus bewege sich im Bermuda-Dreieck von Public Relations (PR), Werbung und Publikum. Die „Aufrüstung“ des PR-Bereiches gehe mit einer „Abrüstung“ des klassischen Journalismus und der Schrumpfung von Redaktionen einher. Erkennbar sei eine Bewegung von der „Aufmerksamkeits- zur Desinformationsökonomie“. Faktenchecks sollten den Falschnachrichten und Gerüchten entgegenwirken, das Problem nur ist: „Fake News verbreiten sich schneller als ihre Korrekturen“, denen eine sorgfältige journalistische oder wissenschaftliche Prüfung vorausgingen.

Die nächste Stufe könnten dann sog. „Deep Fakes“ darstellen – hier werden Gesichter und Sprache in scheinbar echten Videos manipuliert -, diesen Entwicklungen sollte eine „Allianz für die Aufklärung“ entgegentreten, appellierte Prof. Dr. Russ-Mohl, der an der Università della Svizzera italiana in Lugano lehrt.
In der anschließenden hochkarätig besetzten Podiumsdiskussion stellte Polizeipräsident R.M. Meyer mit Blick auf polizeiliches Vorgehen fest: „Wir versuchen bei besonderen Einsatzlagen, Dinge richtig zu stellen und Unruhe vorzubeugen. Für diese Art von Gefahrenabwehr nutzen wir auch Social Media.“ Nicht ganz so pessimistisch wie Russ-Mohl, Autor des Buches „Die informierte Gesellschaft und ihre Feinde“, beurteilte Stefan Richter als Vertreter eines IT-Start-ups die Situation: Wenn Rechtspopulisten wie Trump so erfolgreich sind, müsse man sich auch fragen, woran dies politisch und gesellschaftlich liege und nicht unbedingt die Schuld im Netz suchen. ZEIT-Redakteur Götz Hamann sprach mit Blick auf seine Zunft von verbesserten Recherchemethoden durch das Internet. Auch über eine schwindende Auflage könne die ZEIT – entgegen dem konstatierten Trend - nicht klagen.

Trotz der „drei „wahrheitssuchenden Institutionen“ Journalismus, Wissenschaft und Polizei blieb die Frage von Prof. Eike Richter, der die Veranstaltung initiierte und moderierte, nach einer Instanz, einem „Fixpunkt“, der bei der Suche nach wahren, korrekten Angaben hilft und Orientierung gibt, noch offen.


Rund 130 interessierte Gäste besuchten diese lebhafte und durchaus kontroverse Auftaktveranstaltung im Polizeiausbildungszentrum. Die Reihe unter dem Dach des neuen „Hamburger Forums für Sicherheit und Recht in der digitalen Transformation“ an der Hochschule der Akademie der Polizei Hamburg wird fortgesetzt.