Zukunftsforum Polizei 2030 - Perspektiven des Polizeiberufs

Wie sieht der Polizeiberuf in der Zukunft aus? Welche Herausforderungen ergeben sich zukünftig für die Nachwuchsgewinnung, aber auch für die polizeiliche Aus- und Fortbildung?

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Zukunftsforum Polizei 2030 - Perspektiven des Polizeiberufs

Über diese und andere Fragen tauschten sich am 13. und 14. März 2017 rund 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Tagung „Polizei 2030“ an der Deutschen Hochschule der Polizei (DHPol) in Münster aus.

Gemeinsam mit der Akademie der Polizei in Hamburg hatte die DHPol ein breit gefächertes Programm erarbeitet und Führungskräfte aus Polizeihochschulen und -akademien, aus Polizeibehörden und deren Personalabteilungen sowie Ministeriumsvertreter nach Münster eingeladen.
Der Präsident der Deutschen Hochschule der Polizei, Prof. Dr. Hans-Jürgen Lange, und der Leiter der Akademie der Polizei Hamburg, Thomas Model, stellten in ihrem einführenden Vortrag die große Bedeutung und Aktualität des Themas heraus.

Thomas Model, Leiter der Akademie der Polizei Hamburg

Ausdrücklich betonte Prof. Dr. Lange, dass das Zukunftsthema „keine akademische Spielerei der DHPol ist und auch kein Lesen im Kaffeesatz“, sondern die Reflektion und Analyse der zu erwartenden Herausforderungen an den Polizeiberuf in den nächsten 10-15 Jahren. Aus der Perspektive der Bundesländer betonte der Hamburger Akademieleiter Thomas Model, dass es wichtig sei, die unterschiedlichen Sichtweisen einzubringen – die Perspektive der Bundesländer, des Bundes, der DHPol als universitäre Hochschule sowie der unterschiedlichen Polizeidienstzweige, Bildungseinrichtungen und Ministerien.

Professor Doktor Hans-Jürgen Lange, Präsident der Deutschen Hochschule Polizei

Demographischer Wandel, Einwanderung, Digitalisierung fast aller Lebensbereiche, Cybercrime und Terrorgefahr sind nur einige Stichworte, die illustrieren, womit die Polizei zukünftig verstärkt konfrontiert ist. Die Anforderungen an die Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte nehmen kontinuierlich zu und verlangen nach neuen, innovativen Ansätzen und Lösungen.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Praktiker aus der Polizei gaben in ihren Vorträgen wichtige Impulse für die folgenden Diskussionen mit dem Auditorium.

Der Soziologe Prof. Dr. Rolf Heinze von der Ruhr-Universität Bochum diagnostizierte den verstärkten sozialen Wandel in Deutschland und Europa, so zum Beispiel die ökonomischen Umwälzungen oder den aufkommenden Populismus in vielen westlichen Ländern. Die Psychologin Prof. Dr. Verena Nitsch von der Universität der Bundeswehr in München beleuchtete unter dem Titel „Arbeit 4.0“ Chancen und Herausforderungen der digitalen Arbeitswelt. Diese Entwicklung macht natürlich auch vor der Polizei nicht Halt, wie Bodycams, Drohnen, autonome Fahrzeuge und das Konzept des Predictive Policing zeigen. BKA-Vizepräsident Michael Kretschmer umriss die Lage hinsichtlich gesellschaftlicher Megatrends und herausragender Kriminalitätsphänomene wie dem internationalen Terrorismus. Der zunehmenden Cyberkriminalität und deren Bekämpfung widmete sich als Informatiker Prof. Dr. Winfried Honekamp von der Akademie der Polizei in Hamburg, der dazu den Einsatz hochqualifizierten Personals, auch in den Polizeien und in der Fläche, forderte.

In drei parallelen Themenforen wurden vielfältige Fragestellungen vorgestellt und diskutiert. So ging die Wirtschaftspsychologin Prof. Dr. Petia Genkova von der Hochschule Osnabrück der Frage nach, ob und wie Vielfalt und Diversity einen Gewinn für die Organisation Polizei darstellen. Mit einem innovativen Ansatz reagiert die Stadtverwaltung Essen auf die Zukunftsherausforderungen. Dort wird es zunehmend schwieriger, die freien Stellen mit Absolventinnen und Absolventen des Studiengangs Bachelor of Law der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung (FHöV) zu besetzen. Die Stadt bietet daher Absolventen, aber auch Studienabbrechern aus den Sozialwissenschaften und Lehramtsabsolventen mit erstem Staatsexamen an, sich nach einem anspruchsvollen Auswahlverfahren in 18 Monaten zum Verwaltungsfachwirt zu qualifizieren. Christian Kromberg, Beigeordneter der Stadt Essen, konnte nur Positives berichten. Dieses Angebot wird sehr gut angenommen und ist ein Beweis, dass es sich lohnt, neue Wege zu gehen: „Wir müssen uns neuen Dingen öffnen, das Althergebrachte reicht nicht mehr.“ Das war ein willkommener Anknüpfungspunkt für Akademieleiter Thomas Model, der die Frage stellte, wie sich die Organisation Polizei auch kulturell verändern müssen, wenn sie für Zukunftsaufgaben verstärkt Spezialisten aus anderen Disziplinen integrieren möchte.

Die Ergebnisse der Diskussion in den Themenforen und die Impulse der Tagung sollen nun Eingang in die Arbeit der Polizeien der Länder und des Bundes finden. Dazu wird der Diskussionsprozess an der DHPol fortgesetzt. Angesichts der vielfältigen zukünftigen Herausforderungen und der Komplexität des Polizeiberufes geht Prof. Dr. Lange davon aus, dass die DHPol in den kommenden Jahren regelmäßig Treffpunkt von Wissenschaft und Praxis ist, um die Zukunft von Polizei und Sicherheitsarchitektur zu diskutieren. „Wir sehen die Deutsche Hochschule der Polizei als ein Forum, in dem wir Polizei neu denken und diskutieren können“, so Prof. Dr. Lange.

Gruppenbild Tagungsleitung und Organisatoren an der Deutschen Hochschule Polizei