Ausbildung an der Akademie - Polizistin / Polizist vom ersten Tag an…

Immer wieder kommt es vor, dass Nachwuchskräfte der Akademie die Bewältigung schwieriger Einsätze oder die Tataufklärung entscheidend unterstützen. Hier können die Erfahrungsberichte nachgelesen werden.

Ausbildung an der Akademie - Polizistin / Polizist vom ersten Tag an…


Erfahrungsbericht über eine Verkehrskontrolle


„Am 26.11.2021 hatte unsere Lehrgruppe die Möglichkeit, eine nächtliche Verkehrskontrolle gemeinsam mit der VD 4 (Verkehrsdirektion) durchzuführen. Da wir das halbjährige Praktikum bereits alle erfolgreich absolviert haben und uns nun wieder in der überwiegend theoretischen Ausbildung an der Akademie befinden, freuten wir uns alle, mal wieder an einem praktischen und bürgernahen Einsatz teilnehmen zu können.


Berufspraktische Aus- und Fortbildung Wir trafen uns also am genannten Datum abends auf dem Gelände der Akademie, um unsere benötigten Einsatzmittel in Empfang zu nehmen. Gemeinsam mit unserem Lehrgruppenteam machten wir uns in drei Gruppenkraftwagen auf den Weg zum Einsatzort. Wir alle haben uns gefragt und waren sehr gespannt, was für Sachverhalte uns an diesem Abend erwarten würden.

Bei unserem Eintreffen am Einsatzort wurden wir bereits von einem Team der VD 4 empfangen und uns wurde mitgeteilt, wie die Verkehrskontrolle ablaufen soll. Hierbei stellte sich heraus, dass einige Beamte der VD4 auch erst vor kurzem ihre Ausbildung bei der AK 3 beendet hatten. Uns wurde erklärt, dass es das Ziel der Verkehrskontrolle sei, Fahrzeugführer aus dem Verkehr zu ziehen, die unter dem Einfluss von Alkohol oder Betäubungsmitteln stehen. Insgeheim hofften wir aber auch, mit Haftbefehl gesuchte Straftäter, Betäubungsmittel und Stehlgut aufzufinden.

Bei dem Einsatzort handelte es sich um einen großen Waldparkplatz, der an einer Hauptstraße gelegen ist. Auf dem Parkplatz wurden wiederum acht kleine Kontrollbuchten mit Pylonen abgesteckt.

Zu unserer Sicherheit zogen wir alle eine Warnweste mit dem Aufdruck „Polizei“ über unsere Uniform, um im Straßenverkehr auch bei Dunkelheit gut erkennbar zu sein.

Damit wir alles gut sehen können, hatten wir außerdem einen Lichtmastkraftwagen und einen „Powermoon“ vor Ort, die den Einsatzort gut ausgeleuchtet haben.

Wir teilten uns schließlich in Zweierteams auf, um die Fahrzeuge zu kontrollieren. Eine Person unserer Lehrgruppe durfte außerdem im so genannten Verfolgerfahrzeug Platz nehmen. Dieses kommt zum Einsatz, wenn sich ein Fahrzeug einer Verkehrskontrolle entzieht. Außerdem durfte jeweils eine Person das Anhalten der Fahrzeuge übernehmen und diese mit einer Anhaltekelle aus dem Verkehr winken.

Schon recht bald wurden die ersten Autos in unsere Kontrollstelle eingewunken.

Die kontrollierten Personen wurden von uns über den Grund der Maßnahmen aufgeklärt und z.B. aufgefordert ihren Führerschein, Fahrzeugschein und das Warndreieck vorzuzeigen.

Das Wetter wurde zunehmend ungemütlich und uns war allen ziemlich kalt. Wir hofften auf einen spannenden Sachverhalt, um die Kälte zu vergessen.

Während unseres Einsatzes erschien ein freier Pressevertreter vor Ort, der von uns Fotos und Videoaufnahmen fertigte, wodurch unsere Aufregung und der Wunsch nach einem spannenden Sachverhalt weiter stieg.

Neben kleineren Vorkommnissen, wie z.B. einem abgelaufenen Verbandskasten, ungesicherter Ladung oder nicht mitgeführten Ausweispapieren, wurde durch den Anhalteposten schließlich ein Auto mit polnischem Kennzeichen in die Kontrolle gewunken, da es durch einen kaputten Auspuff aufgefallen war.

In dem Fahrzeug saßen drei Personen. Der Fahrer war der deutschen Sprache kaum mächtig, weshalb ein Kollege der Lehrgruppe, der die russische Sprache beherrscht, den kontrollierenden Beamten mit dolmetschen aushalf.

Der Fahrer machte widersprüchliche Angaben zu seinem Herkunftsort und wollte nicht verraten, wieso er sich in Hamburg aufhält. Die Kollegen wurden ihm gegenüber zunehmend misstrauischer. Eine Abfrage der Personen in polizeilichen Auskunftssystemen und die Verwendung einer neuartigen Fingerabdruck-Software in Mobipol, die nach langem Warten nun auch endlich mobil verfügbar ist, ergab, dass zwei der Fahrzeuginsassen zur Fahndung ausgeschrieben waren! Das bedeutet, dass nach ihnen polizeilich gesucht wurde.

Einer der beiden war zur Fahndung ausgeschrieben, da er sich unerlaubt in Deutschland aufgehalten haben soll, der andere wurde wegen des Verdachts mehrerer Tankbetrügereien sowie anderer Delikte von der Staatsanwaltschaft gesucht. Eine Abfrage des Kennzeichens ergab ebenfalls, dass das Fahrzeug auf Grund von Tankbetrug in der Fahndung war.

Bei den kontrollierenden Beamten schoss sofort der Puls in die Höhe, da man nie sicher sein kann, wie eine Person reagiert, wenn sie mit einem solchen Vorwurf konfrontiert wird!

Beiden Männern wurde mitgeteilt, dass sie nun vorläufig festgenommen seien.

Sie wurden durch die VD4 an die nächstgelegene Polizeiwache gebracht. Zu unserer Erleichterung leistete keine der beiden Personen Widerstand gegen die Maßnahmen.

So konnten wir diesen Abend erfolgreich abschließen und uns über den gelungenen Einsatz freuen, der uns kurzzeitig vergessen ließ, dass unsere Füße inzwischen zu Eisklötzen gefroren waren. Besonders freuten wir uns, als am nächsten Tag ein kurzer Bericht mit Fotos in der Hamburger Morgenpost und im Abendblatt erschien und das Hamburg Journal auch einen kurzen Beitrag zeigte.“