Erasmus+ Gruppenmobilität nach Riga
Europäischer Austausch als Motor moderner Polizeiausbildung
Im Oktober 2025 reisten acht Auszubildende und zwei Lehrkräfte der Akademie der Polizei Hamburg im Rahmen einer Erasmus+ Gruppenmobilität nach Riga. Ziel des fünftägigen Programms war es, Einblicke in Ausbildung, Training und Digitalisierung der lettischen Polizei zu gewinnen, Unterschiede zu reflektieren und gemeinsam mit den Partnern der State Police College (Valsts Policijas Koledža) neue Impulse für die eigene Ausbildungspraxis zu entwickeln.
Einblicke in das lettische Ausbildungssystem
Zu Beginn stellte die lettische Partnerinstitution ihre Ausbildungswege vor, die deutlich modularer und flexibler gestaltet sind als in Deutschland. Besonders beeindruckend war das Investigator Training Centre, in dem moderne Ermittlungsfortbildungen und VR-basierte Szenarien trainiert werden. Schnell wurde klar, dass die lettische Ausbildung stark praxisorientiert geprägt ist, was sich im Laufe der Woche im Rahmen deutsch-lettischer Aktivitäten zeigte. Dazu gehörten unter anderem ein intensives Active-Shooter-Training und eine taktische Trainingseinheit zum Festnahmevorgehen. Die Zusammenarbeit gemischter deutsch-lettischer Teams ermöglichte einen realistischen Blick auf unterschiedliche Trainingskulturen, Kommunikationswege und taktische Ansätze, wobei sich die Herangehensweise der lettischen Seite als eher pragmatisch und ressourcenschonend erwies.
Unterschiede und Gemeinsamkeiten
Beide Polizeien verfolgen ähnliche Ausbildungsziele, unterscheiden sich jedoch in einzelnen Aspekten deutlich. Während in Deutschland höhere Sicherheitsstandards und Regulierungen dominieren, zeigte sich die lettische Ausbildung stärker handlungsorientiert. Die Ausstattung mit VR-Technik, mehreren Übungsräumen und realitätsnahen Szenarien ermöglicht ein vielfältiges Trainingsangebot, das von den Hamburger Teilnehmenden als besonders lernwirksam beschrieben wurde. Auch organisatorisch unterscheidet sich die lettische Polizei, etwa durch die funktionale Zweiteilung von State Police und Municipal Police oder durch die Nutzung des hochmodernen digitalen Polizeieinsatztools, welches Einsätze bedarfsorientiert an die geforderten Rettungskräfte kommuniziert.
Interkulturelle und persönliche Erfahrungen
Neben den fachlichen Erkenntnissen profitierten die Teilnehmenden stark vom interkulturellen Austausch. Die lettischen Kolleginnen und Kollegen begleiteten die deutsche Gruppe während der Woche, was zahlreiche persönliche Gespräche ermöglichte. Gleichzeitig bot das Programm Einblicke in die historische und gesellschaftliche Prägung Lettlands, u.a. die Stadtführung durch Rigas Altstadt oder der Besuch des Kriegsmuseums. Die Übungen, insbesondere das Active-Shooter-Szenario, führten zu intensiven persönlichen Lernerfahrungen. Sie verdeutlichten die Bedeutung von Teamarbeit, Kommunikation und Stressbewältigung und stärkten das berufliche Selbstverständnis der Nachwuchskräfte.
Ausblick und Weiterarbeit
Die Mobilität nach Riga hat zahlreiche wertvolle Erkenntnisse hervorgebracht, sowohl aus fachlicher als auch aus didaktischer Perspektive. Besonders die stark praxisorientierten Trainingsformen, der gezielte Einsatz digitaler Lehr- und Lernmittel sowie die vielfältigen realitätsnahen Übungsszenarien bieten konkrete Anregungen für die Weiterentwicklung der Arbeit an der Akademie der Polizei Hamburg. Auch hat die Mobilität gezeigt, wie wertvoll europäische Kooperation für die Polizeiausbildung ist: Sie eröffnet neue Perspektiven, fördert aber auch ein starkes Europa, in dem Sicherheit, Zusammenarbeit und demokratische Werte großgeschrieben werden.
Anna Bringemeier (AK 32)