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Gelungene Auftaktveranstaltung des Hamburger Initiativkreises Polizeiforschung

Mit - trotz der derzeit grassierenden Krankheitswelle - über 70 interessierten Teilnehmenden startete am 7. Dezember das erste Forschungsforum des Hamburger Initiativkreises Polizeiforschung (HIP).

Angesichts des neuen Veranstaltungsformates waren bis kurz vor Öffnen der Türen im großen Sitzungssaal des Präsidiums die Organisator:innen gespannt, ob alles wirklich so klappen würde wie geplant und erhofft.

Pünktlich um 14 Uhr lief das Video mit der Begrüßung durch Polizeipräsident Ralf Martin Meyer, der dem Forum ein gutes Gelingen wünschte und vorab eine wichtige Gemeinsamkeit von Polizei und Wissenschaft herausstellte: Beide suchten nach der Wahrheit. Vor allem betonte PL, für wie wichtig er einen Austausch von Polizeipraktiker:innen auf der einen Seite und den wissenschaftlich arbeitenden Mitgliedern und Dienststellen innerhalb der Polizei hält.

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Und genau das war auch die Intention des HIP-Vorbereitungsteams, welches aus Engagierten der Bereiche FOSPOL, Kriminologische Forschungsstelle, Fachhochschulbereich, Institut für Transkulturelle Kompetenz, Leitungsstab, Akademieentwicklung sowie Schutzpolizei besteht: die Vernetzung der unterschiedlichen Akteur:innen innerhalb der Polizei, um die Zusammenarbeit zu stärken, Vorbehalte abzubauen, Missverständnisse aufzuheben und Raum für neue Ideen zu schaffen. Stellvertretend für das Organisationsteam, erläuterten Esther Jarchow, Prof. Eike Richter und Martin Kagel Entstehung, Arbeitsweise und Zielsetzung des HIP. Um die hierbei möglichen Perspektiven auszuloten, hatten die Veranstalter:innen drei Gastredner eingeladen: den Systembiologen und Wissenschaftskommunikator Dr. Lorenz Adlung vom UKE, den Wiener Soziologen und Kriminologen Dr. Reinhard Kreissel sowie den Sozialwissenschaftler Dr. Uwe Kemmesies vom BKA.

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Den Aufschlag machte Lorenz Adlung, Leiter einer Nachwuchsforschungsgruppe, der in seinem Vortrag betonte, wie wichtig die Kommunikation von Forschung und Forschenden ist, nicht zuletzt, da Wissenschaft ja kein Selbstzweck sein soll, sondern durchaus auf ihre Anwendung wartet. Ein zentraler Faktor in dem Gefüge Forschende, Öffentlichkeit und Anwender (in seinem Falle ein Klinikum) sei das Vertrauen in die Wissenschaft, welches sich bei Erfüllung dieser drei Kriterien deutlich erhöht: 1. Qualifikation/Expertise, 2. Integrität/Transparenz und 3. Gemeinwohlorientierung.  In Anspielung auf das polizeiliche Motto „In Hamburg schaut man hin“ ergänzte Adlung: „Hört man zu. Fragt man nach.“

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Der Wiener Soziologie und Kriminologe Reinhard Kreissl, zugeschaltet per Video, machte dann auch deutlich, wie solche Kollaborationen zwischen Wissenschaften, Forschung und Anwendung in der Praxis europäischer Förderung ausgestaltet sein können. Für manchen Zuhörer sicherlich neu, zeigte Kreissl, wie die Zusammenarbeit zu welchen Themen möglich ist und ermutigte die anwesenden Praktiker dazu, sich auf solche Projekte einzulassen, die zwar Arbeit machten, aber auch einen praktischen Mehrwert abwerfen können. Er selbst verfügt hier mit dem von ihm gegründeten VICESSE Institut über reichlich Erfahrungen, die so manchen Anwesenden vielleicht auf Ideen gebracht haben könnte – vielleicht ja sogar mit Ideen, die dann gemeinsam mit den verschiedenen Forschungsstellen und Wissenschaftler:innen bearbeitet werden können. Gleichwohl wurde auch die Komplexität der Antragstellung auf europäischer Ebene deutlich.

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Der dritte Redner, der Sozialwissenschaftler Dr. Uwe Kemmesis vom BKA, nahm das Auditorium mit auf eine kleine Reise, wobei er sehr anschaulich und sehr angenehm reduziert nur mit einer Folie das Verhältnis, vielmehr aber die unterschiedlichen Perspektiven von Polizei und Wissenschaft auslotete. Er versöhnte dabei die eher auf die konkrete Fallperspektive orientierte Sicht der Polizei mit der übergeordneten, mitunter etwas abstrakt erscheinenden Draufsicht der Wissenschaften, das oft aus der Praxis heraus bedingte eilige Tempo der Polizei mit dem langsamen, bedächtigen Vorgehen der Wissenschaften und bat alle Beteiligten um  gegenseitiges Verständnis. Nicht zuletzt weil beider Seiten Professionalität auf einer unterschiedlichen beruflichen Sozialisierung beruht, die so einfach nicht abgelegt werden kann. Sie kann aber in einem Trialog, zu dem sich dann auch noch Öffentlichkeit, die Bürger:innen hinzugesellen, fruchtbar werden, denn letztlich stehen beide Seiten in ihrem Dienst und werden durch und von ihnen ermöglicht. Kemmesies machte deutlich, dass Wissenschaft und Polizei mehr Gemeinsames verbindet als sie letztlich trennt: die gleiche Fragehaltung, der Anspruch, eine Art von Wahrheit zu Tage zu befördern und die Not, ihr Handeln transparent zu halten, um verstanden und akzeptiert zu werden. Er traf den richtigen Ton, um den zweiten Teil der Veranstaltung einzuleiten, den informellen Austausch. Bei Brezeln und Kaffee hatten alle nun die Chance, sich zu vernetzen und Ideen zu schmieden, was auch lebhaft geschah.

Der Auftakt ist gelungen, so das Fazit. Weitere Runden des HIP-Forums werden sich nun konkret speziellen Themen widmen. Und die Veranstalter:innen laden alle herzlich ein, sich mit Vorschlägen einzubringen, um den begonnenen Austausch weiterzuführen, so dass daraus in Zukunft vielleicht Kooperationen und Forschungsprojekte mit einem praktischen und theoretischen Erkenntnismehrwert für alle Seiten werden können.