HIP No. 6 – Drittmittel, Forschung und Innovationen in der Polizei
Am 04.12.2025 fand im Großen Sitzungssaal die sechste Ausgabe des Hamburger Initiativkreises Polizeiforschung (HIP) statt, initiiert vom Vorbereitungsteam: „Chancen durch Drittmittel – innovativ in die Zukunft der Polizei“. Nach einer Begrüßung und thematischen Einführung durch Esther Jarchow (LKA FSt 13) und Martin Kagel (AK 11) stand das Potential von Drittmitteln, Forschung und Innovationen in der Polizei im Mittelpunkt.
Europäische Förderpraxis in Valencia
Den Auftakt machte Iván Luis Martinez Villanueva von der spanischen Polizei in Valencia. Zu Beginn zeigte er ein professionelles Imagevideo, welches potenziellen Geldgebern und Projektpartnern die Innovationskraft und Ressourcen der Lokalpolizei Valencia mit ihren rund 1.700 Polizeikräften vermittelt. Iván Martinez, erfahrener Polizeibeamter und seit mehreren Jahren als Projektmanager tätig, gab im Anschluss spannende Einblicke in die Arbeit einer spezialisierten Abteilung, die sich seit 19 Jahren ausschließlich um Drittmittelakquise und Innovationsprojekte kümmert und mittlerweile auf über 30 Forschungsprojekte, vor allem im europäischen Kontext, blickt. Die Abteilung startete damals mit nur zwei Mitarbeitenden, heute sind es sechs, unterstützt von Polizisten als Fachexperten. Die Polizisten werden als „Satelliten“ bezeichnet, die mit ihrer Praxiserfahrung die Projekte bereichern.
Iván Martinez Villanueva berichtete, dass im europäischen Forschungsrahmenprogramm nur etwa 7 % der eingereichten Förderanträge tatsächlich zu Projekten führen! Ein Wert, der verdeutlicht, wie wichtig Ausdauer und eine hohe Antragszahl in diesem wettbewerblichen Umfeld sind.
Ein besonderes Schlüsselereignis für die Innovationsarbeit war die Flutkatastrophe vom 29.10.2024 in Valencia, bei der über 200 Menschen starben. Die Katastrophe machte viele fatale Schwächen sichtbar und diente im Nachhinein als Katalysator für neue Projekte.
Martinez Villanueva betonte, dass Innovationen in der Polizei vor allem durch Fördermittel möglich werden, aber auch das Netzwerken und der Wissensaustausch entscheidend sind: „Polizeistationen sind wie Inseln: Jeder schaut auf sich selbst, aber wir sollten voneinander lernen“ („Police stations are like islands: everyone is looking at themselves, but we should learn from each other“).
Er stellte im weiteren Verlauf des Vortrages das mehrjährige EU-Förderprogramm „Horizont Europe“ mit einem hohen Gesamtvolumen von 95 Milliarden Euro vor und empfahl, sich zunächst auf spezifische, kleinere Programme zu konzentrieren, um Erfahrungen zu sammeln: „Am Anfang ist man unerfahren. Also passen Sie Ihr Profil lieber an spezifische Programme an, statt gleich die großen anzugehen“ („At the beginning you are unexperienced. So adapt your profile to specific programmes instead of the big ones. “).
Fördermöglichkeiten in Deutschland
Im Anschluss gab Dr. Tobias John, Leiter der Vernetzungsstelle Sicherheitsforschung (VEST SiFo) an der Deutschen Hochschule der Polizei, einen kompakten Überblick über nationale und europäische Fördermöglichkeiten. Er zeigte auf, dass in Deutschland bislang nur 11 % der polizeilichen Sicherheitsforschung durch Drittmittel finanziert werden – hier besteht also noch viel Potenzial. John betonte, dass Wissenschaft und Polizei oft unterschiedlich ticken: „Wissenschaft denkt immer in großen Zeiträumen, und die Polizei will in 2 Minuten eine Lösung finden.“ Er ermutigte die Teilnehmenden, sich bei VEST SiFo zu informieren und zu vernetzen: „Sie sind nicht alleine mit ihrem Vorhaben, wir unterstützen Sie mit Informationen und Vernetzungsmöglichkeiten in der Sicherheitsforschung.“
Im Anschluss an die beiden Impulsvorträge gab es eine lebhafte Fragerunde, in der unter anderem Erfahrungen mit externen Partnern und Förderprogrammen diskutiert wurden. Die Veranstaltung bot wie gewohnt viel Raum für Austausch und Vernetzung unter den mehr als 50 Teilnehmenden aus Vollzug, Wissenschaft und Verwaltung.
Die 6. HIP Veranstaltung zeigte eindrucksvoll, wie wichtig Drittmittel und internationale Vernetzung für Innovationen in der Polizei sein können und welche Rolle eine systematische Herangehensweise und Projektmanagement dabei spielen. Die Erfahrungen aus Valencia und die Hinweise zu Fördermöglichkeiten in Deutschland lieferten wertvolle Impulse für die eigene Projektarbeit. Wer sich für Förderprojekte interessiert, findet bei VEST-SiFo kompetente Unterstützung und zahlreiche Informationsangebote.
Der HIP-Vorbereitungskreis freut sich über Feedback und Anregungen für die thematische Gestaltung der nächsten Veranstaltungen in 2026 über HIP@polizei.hamburg.de