Institut für transkulturelle Kompetenz (ITK)

Das ITK ist Dienstleister für die Polizei Hamburg zur Stärkung von Kompetenzen im Hinblick auf einen professionellen Umgang mit gesellschaftlicher Vielfalt. 

ITK

 

Logo ITK

 

Das Institut für transkulturelle Kompetenz (ITK) an der Akademie der Polizei Hamburg ist seit 2015 integraler Bestandteil der Aus- und Fortbildung von Nachwuchskräften und Mitarbeitenden des Polizeivollzugs. In den ersten fünf Jahren seit Bestehen des Instituts lag der Tätigkeitsschwerpunkt unter Leitung von Dr. Wulf Köpke insbesondere auf der Vermittlung spezifischer Fachkenntnisse zu verschiedenen Ländern und Kulturen. Ihm ist die Etablierung tragfähiger Strukturen und die Einbindung des Instituts in starke und weitreichende Netzwerke zu verdanken.  

Seit dem 15. Februar 2021 hat Frau Sonja Clasing die Leitung des Instituts übernommen. Das multiprofessionell zusammengesetzte Team des Instituts wird auch in Zukunft Ansprechpartner für alle inter- und transkulturellen Fortbildungsbedarfe, für Forschungsinitiativen sowie Konfliktvermittlung und Beratungen in diesem Kontext sein. Dabei versteht sich das ITK insbesondere als Dienstleister für die Polizei Hamburg zur Stärkung von Kontaktkompetenzen der Einsatzkräfte im Hinblick auf einen souveränen und professionellen Umgang mit gesellschaftlicher Vielfalt.

Hamburg ist Heimatstadt für sehr viele verschiedene Menschen mit und ohne Zuwanderungsgeschichte, für Migrantinnen und Migranten in erster, zweiter oder dritter Generation und für Geflüchtete, wobei eine diverse Stadtgesellschaft weit über Fragen der Herkunft hinausgeht. Effizientes polizeiliches Handeln muss sich heute mehr denn je und immer wieder neu an einer Vielfaltsgesellschaft ausrichten. 

Deshalb vertritt das ITK einen sehr breit angelegten Diversitätsbegriff, der sich auf alle Menschen mit unterschiedlichen Persönlichkeitsmerkmalen gleichermaßen bezieht und der deutlich macht, dass es die individuelle Unterschiedlichkeit ist, die uns allen gemein ist.

Dabei steht die Individualität manchmal im Widerspruch zu der erforderlichen Einheitlichkeit effektiver polizeilicher Praxis. In diesem Spannungsfeld ist das ITK angesiedelt. Als eigenständiges Institut übernimmt es dabei deutschlandweit eine Vorreiterrolle.

Säulen ITK

Deutsche Diversity-Tag (DDT)

Der Deutsche Diversity-Tag (DDT) des Charta der Vielfalt e. V. feiert in diesem Jahr 10-jähriges Jubiläum.  Wir vom Institut für transkulturelle Kompetenz freuen uns sehr, dass die Polizei Hamburg teilnimmt und so #FlaggeFürVielfalt zeigt. Vielfalt ist nicht ausschließlich auf die Herkunft, Religion oder Kultur beschränkt. Es gibt viele weitere Merkmale wie das Alter, das Geschlecht, die sexuelle Orientierung, den sozialen Status, den Wohnort und den Bildungsgrad. 2021 wurde die Charta der Vielfalt von unserem Polizeipräsidenten Ralf Martin Meyer unterzeichnet und somit ein klares Zeichen für Toleranz und ein wertschätzendes Miteinander gesetzt. Das Ziel unserer Videobotschaft ist, die durchaus vielfältige Belegschaft der Hamburger Polizei authentisch darzustellen und zu zeigen, welche bedeutende Rolle gesellschaftliche Vielfalt für die Polizei Hamburg spielt.

Nachfolgend unsere Verantwortungsbereiche: 

  • Professionalisierung interkultureller Kompetenzen von Polizeibediensteten im Rahmen der Aus- und Fortbildung
  • Politische Bildungsangebote, Vortragsreihen und Demokratiebildung
  • Interkulturelle Dialogarbeit und Kontaktpflege zu migrantischen Communities
  • Beratung von Migrant*innen zur Rolle und Aufgabe der Polizei
  • Zusammenarbeit mit anderen Hamburger Institutionen in den Bereichen Migration, Prävention, Integration & Empowerment
  • Beratung bei Einsatzlagen mit interkulturell geprägten Fragestellungen und Herausforderungen
  • Interne Unterstützung von Kolleg*innen bei Fragen mit interkulturellem Bezug
  • Initiierung eigener Forschungsprojekte im Themenfeld Polizei & Diversität

Im Nachfolgenden finden sich einige Impressionen unserer Arbeit:

Internationaler Tag der Toleranz

Polizeipräsident Ralf Martin Meyer übergibt die Charta der Vielfalt

Im Herbst 2021 wurde nach monatelangen Vorbereitungen mit der Dienststelle Beschwerdemanagement und Disziplinarangelegenheiten sowie der Dienststelle für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit ein Rahmenprogramm zum Internationalen Tag der Toleranz durchgeführt. Im Zuge dessen wurde die Charta der Vielfalt durch unseren Polizeipräsidenten Ralf Martin Meyer unterzeichnet. Damit geht die Polizei Hamburg eine Selbstverpflichtung ein, sich für die Förderung von Vielfalt und die Schulung entsprechender Kompetenzen im Umgang mit gesellschaftlicher Vielfalt stark zu machen. Dabei ist Vielfalt nicht ausschließlich auf die 
Herkunft, Religion oder die Kultur beschränkt, sondern geht weit darüber hinaus. Mit der Unterzeichnung der Charta erkennt eine Institution gesellschaftliche Vielfalt an und bekräftigt das Ziel, sich weiterhin für Vielfalt und gegen Ausgrenzung stark zu machen. 

Logo der Charta der Vielfalt

Begleitet wurde der Internationale Tag der Toleranz durch eine Ausstellung der Künstlerin Soufeina Hamed. Hamed, auch bekannt unter dem Pseudonym Tuffix, ist Deutsch-Tunesierin und in Berlin aufgewachsen. Sie hat einen Master in Interkultureller Psychologie und arbeitet hauptberuflich als freie Illustratorin. Ihre Illustrationen beschäftigen sich mit Alltagsdiskriminierungen insbesondere von muslimischen Frauen und reflektieren das Leben einer muslimischen jungen Frau in Deutschland. Eine Woche lang konnten die zum Nachdenken anregenden Zeichnungen im Foyer des Polizeipräsidiums bestaunt werden.

Foyer des Polizeipräsidiums

Ein umfassender Überblick über unsere Aktivitäten sowie nähere Informationen zum Internationalen Tag der Toleranz befinden sich in unserem Jahresbericht 2021.

Externe Netzwerkarbeit

In der Hamburger Polizei arbeiten Kolleginnen und Kollegen aus rund 80 verschiedenen Nationen. Nicht erst seit Beginn der Dachkampagne „Wir sind Hamburg! Bist du dabei?“ bemüht sich die Hamburger Polizei Jahr für Jahr darum, mehr Menschen mit sogenanntem Migrationshintergrund für den Polizeidienst zu gewinnen. Und: Nein, es ist nicht erforderlich, die deutsche Staatsbürgerschaft zu haben, um bei der Polizei anfangen zu können.

Am 19. Juni 2021 haben wir in Kooperation mit der Einstellungsstelle der Polizei Hamburg eine gemeinsame Online-Infoveranstaltung mit dem African Christian Council Hamburg e.V. durchgeführt, in der wir über die Möglichkeiten informiert haben, eine Ausbildung oder ein Studium bei der Polizei aufzunehmen. Dieses Meeting fand schließlich auch eine Fortsetzung in Präsenz, nämlich in der Kirchengemeinde Borgfelde.

African Christian Council Hamburg e.V.

Der African Christian Council Hamburg e.V. ist der Dachverband für über 60 Hamburger Gemeinden mit afrikanischem Ursprung. Der Dachverband ist interkonfessionell und multikulturell aufgestellt und eine ungebundene Migrationskirche.

Kernanliegen der Dachgemeinde ist es, Menschen mit biografischen Bezügen zu Afrika, die in Hamburg leben, sowie afrikanische Gemeinden in Hamburg zu unterstützen.

Säule I Aus- und Fortbildungen

Im Kontakt mit anderen Menschen spielen Selbstreflexion, Empathiefähigkeit, Ambiguitätstoleranz und Gelassenheit eine große Rolle, um Situationen professionell meistern zu können. Das ITK ist mit unterschiedlichen Formaten in der Aus- und Fortbildung für die Polizei Hamburg da. Von 60minütigen Dienstunterrichten bis hin zu einwöchigen Seminaren bieten wir Hintergrundwissen zu vielen verschiedenen gesellschaftspolitischen Themen und geben den Kolleginnen und Kollegen entsprechende Impulse, die zum Reflektieren einladen, um nicht in hinderliche Denkschubladen zu verfallen. 
Seit 2021 hat das Institut für transkulturelle Kompetenz an der Akademie der Polizei Hamburg neben den bereits bestehenden Aus- und Fortbildungsformaten 29 neue Grundlagenmodule zu den Themen gesellschaftliche Vielfalt, Rassismus, Diskriminierungen, demokratische Resilienz u.a. ins Leben gerufen. Wir sehen unsere Hauptaufgabe dabei im Transfer von wissenschaftlichen Erkenntnissen und gesellschaftlichen Bedarfen in die Polizei. 
Großer Beliebtheit erfreuen sich auch unsere Veranstaltungsformate Aktuelle Stunde und Horizonte, Mit Hilfe von externen und internen Expert*innen bieten wir in unregelmäßigen Abständen gesellschaftspolitische Themen in Form von Fachvorträgen und Dialogformaten an.
Eindrücke aus unserem Arbeitsbereich der Aus-und Fortbildung finden sie hier.

Medien- und Presseberichterstattung

Der NDR zu Gast beim ITK:

Bei der Polizei Hamburg werden gewisse Arbeitsbereiche nicht von Polizeibeamtinnen und -beamten, sondern von Angestellten im Polizeidienst übernommen. Tätigkeiten, wie beispielsweise Sicherungs- und Objektschutz sowie die Überwachung des ruhenden Verkehrs seien hier auszugsweise genannt. Die Vermittlung interkultureller Kompetenzen ist heutzutage ein Grundbaustein für moderne, diversitätssensible Polizeiarbeit. Das ITK ist deshalb integraler Bestandteil im Lehrplan der 12wöchigen Grundausbildung der Angestellten im Polizeidienst. Während der Ausbildung werden kurze, interaktive Sequenzen eingebaut, die die Teilnehmenden animieren, über ihre eigene kulturelle Identität nachzudenken. Inhaltlich wird Bezug genommen auf verschiedene Kulturen, Religionen und gesellschaftliche Diversität.

Am 18. und 19.01.2021 erhielt Moin! Reporterin Janine Artist vom NDR einen exklusiven Eindruck in die Ausbildung. Ihre Eindrücke sowie Interviews einzelner Teilnehmenden sind im nachfolgenden Podcast abrufbar.

Podcast (Teaser)
Polizeiakademie - Training gegen Vorurteile
Podcast (volle Länge)
Polizeiakademie - Training gegen Vorurteile

Säule II Externe Netzwerkarbeit

Runde Tische

Die Einsatzzentrale der Polizei Hamburg vermeldet ca. 500.000 Einsätze pro Jahr. Dabei bleibt es leider nicht aus, dass Einsätze nicht zur Zufriedenheit aller Beteiligten verlaufen. Missverständnisse und falsche Vorstellungen vom Gegenüber tragen ihren Teil dazu bei. Hier versuchen wir als ITK anzusetzen und alle Beteiligten zusammenzubringen.

In Zusammenarbeit mit anderen Dienststellen, wie bspw. der Beschwerdestelle, dem Landeskriminalamt sowie der Stelle für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit wurden Runde Tische initiiert, um Einsätze nachzubereiten. Die Schilderungen der jeweiligen Perspektiven halfen dabei den jeweiligen Einsatz konstruktiv nachzubereiten. Durch Transparenz und Gespräche auf Augenhöhe konnten Missverständnisse ausgeräumt sowie die Rahmenbedingungen der Polizeiarbeit dargestellt werden.  

Informationen zu unseren Runden Tischen finden Sie hier.

Kooperationen

Der Bereich der externen Netzwerkarbeit hatte sich in den vergangenen Jahren vor allem auf migrantische Communities konzentriert. Auch Einzelpersonen verschiedener Religionsgemeinschaften sowie Aktive aus dem Bereich der Flüchtlingshilfe standen dem ITK nahe und haben in gemeinsamer Zusammenarbeit integrative Angebote erarbeitet, die sich vorwiegend an Geflüchtete in Gemeinschaftsunterkünften gerichtet haben.

Für die Zukunft ist für uns am ITK wichtig, die externe Netzwerkarbeit auf alle zivilgesellschaftlichen, migrantischen, religiösen, behördlichen und institutionellen Kontakte auszuweiten. Dabei steht für uns im Vordergrund, sowohl die verschiedenen polizeiinternen Ansätze im Sinne demokratischer Polizeipraxis nach außen zu kommunizieren, als auch Anliegen aus der Zivilgesellschaft aufzunehmen und zum Beispiel im Rahmen der Quartiersentwicklung aus polizeipraktischer Sicht fortzuentwickeln.

Informationen zu unseren externen Kooperationen finden Sie hier.

Besonderes Highlight

Im März 2021 fand der 13. Integrationsgipfel der damaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel statt, an dem das ITK als Vertretung für die Polizei Hamburg teilgenommen hat. Themen des Gipfels waren die Phasen 4 und 5 des Nationalen Aktionsplans Integration, weitere Informationen zum Aktionsplan gibt es hier.  Das ITK wird in Phase 5 als Best Practice Beispiel angeführt. Die damalige Staatsministerin Frau Widmann-Mauz hielt zu Beginn ein Grußwort vor rund 120 TN aus Politik (J. Spahn, P. Altmeier, F. Giffey u.a.), Wirtschaft, Sport (Fritz Keller, DFB), Wissenschaft (Prof. Fereidooni), Kultur (Tyron Ricketts, Schauspieler) und nahm ausdrücklich und ausschließlich auf das ITK und die Polizei Hamburg Bezug. Sie stellte heraus, dass sie beeindruckt davon wäre, wie die Polizei Hamburg nach innen und nach außen Maßnahmen umsetzte, die zu mehr Vielfalt innerhalb der Polizei und zu einer höheren Vielfaltskompetenz der Einsatzkräfte beitrügen.

13. Integrationsgipfel

Die Teilnahme des ITK am Integrationsgipfel geht auf eine inzwischen mehrjährige Zusammenarbeit mit dem Bundeskanzleramt und der Staatsministerin zurück, in der es vor allem auch in Kooperation mit der Helmut-Schmidt-Universität um die Mitgestaltung eines Studienganges „Leading Diversity Management“ ging. Aber auch die aktive Mitarbeit an der Erarbeitung des Nationalen Aktionsplans Integration in Berlin, die Mitwirkung an Kongressen zum Thema „Vielfalt in der Verwaltung“ bis hin zum Aufbau und der Arbeit des ITK gehen auf diesen Pfad der gemeinsamen Arbeit zwischen der Polizei Hamburg und dem Bundeskanzleramt in Berlin zurück, den wir gerne gemeinsam mit der Nachfolgerin Frau Alabi-Radovan fortsetzen möchten.

Nähere Informationen finden Sie hier.

Säule III: Interne Netzwerkarbeit

Dienststellenübergreifende Zusammenarbeit 
In der internen Netzwerkarbeit geht es uns vor allem darum, diejenigen Kolleginnen und Kollegen der verschiedenen Dienststellen, die sich schon seit vielen Jahren im Sinne einer demokratischen Polizei engagieren, in die Arbeit des ITK einzubeziehen. Dies betrifft vor allem die Abteilung der Akademieentwicklung, das Institut für Führungskompetenz (IFK), die Einstellungsstelle der Polizei Hamburg, die Verantwortlichen des Ethikseminars an der Fachhochschule, die Politikfachschaft des ersten Laufbahnabschnittes, die Gleichstellungsbeauftragten, die Abteilung Beschwerdemanagement und Disziplinarangelegenheiten, die Fachdienststelle für die Personengruppe der LSBTIQ*, die Polizeiseelsorger, den Polizeipsychologischen Dienst, die Kolleginnen und Kollegen des LKA, die sich mit gewaltzentrierten Ideologien befassen, die Vertrauensdozentinnen und -dozenten, die Kommunikationstrainerinnen und -trainer sowie diejenigen Kolleginnen und Kollegen, die in der Polizei für Werteprozesse hauptverantwortlich sind. Die Perspektive über den eigenen originären Wirkungskreis hinaus hin zu verschiedenen Dienststellen, die in ähnlichen Themen unterwegs sind, bewirkt, dass sich konkrete Fragestellungen unter Einbeziehung vieler Expertinnen und Experten viel nachhaltiger und umfänglicher betrachten lassen. 

Dialogforum
Das Jahr 2022 war der Startschuss für das BLUE.LAB Dialogforum. Die sogenannten Social Skills wie Selbstreflexion, Empathie und Perspektivwechsel spielen im Privaten sowie im Job eine immer größere Rolle. Die von uns im Jahr 2021 auf den Weg gebrachten Grundlagenmodule zu diversitätssensibler Polizeiarbeit zeigen, dass abseits der Informationsvermittlung unter den Kolleginnen und Kollegen großes Interesse besteht, sich zu den Kernthemen des ITK vertieft auszutauschen. 
Im Rahmen des BLUE.LAB Dialogforums kommen wir in regelmäßigen Abständen zusammen, um gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen drängende gesellschaftspolitische Fragen zu besprechen und diese in Bezug zur eigenen Haltung zu setzen. Dabei geht es uns vor allem auch um die Vernetzung und Stärkung von Kolleginnen und Kollegen mit sogenanntem Migrationshintergrund.

Säule IV: Vollzugsunterstützung

In der Säule der Vollzugsunterstützung werden wir aktiv, wenn sich in der täglichen Polizeipraxis Fragestellungen mit inter- oder transkulturellem Bezug ergeben. Da hierbei allerdings auch polizeitaktische Informationen bedeutsam sind, können die jeweiligen Sachverhalte nicht im Detail dargestellt werden. 

Dennoch zeigt sich, dass es sinnvoll ist, bestimmte Sachverhalte vernetzt anzugehen, etwa indem geeignete Anlaufstellen aus dem Sozialraum einbezogen werden oder der direkte Kontakt zu migrantischen Organisationen hergestellt wird. Diese können möglicherweise einen niedrigschwelligen Draht zu Menschen aufnehmen, die polizeilich in Erscheinung treten und ganz offensichtlich auf Unterstützung angewiesen sind. 

Nicht alle Sachverhalte, in denen Menschen mit (zugeschriebenem) Migrationshintergrund eine Rolle spielen, haben einen nennenswerten Kulturaspekt, für den wir am ITK zuständig wären. Menschen, die zu viel Alkohol trinken und ohne Obdach sind, haben in erster Linie ein Alkohol- und Unterbringungsproblem, ganz unabhängig davon, welchen kulturellen Hintergrund sie mitbringen. 

Wir machen häufig die Erfahrung, dass sich Menschen, die aus Ländern nach Deutschland gekommen sind, in denen die Rolle der Polizei in erster Linie mit Willkür, Gewalt und Folter in Verbindung gebracht wird, nicht vorstellen können, dass staatliche Sicherheitsbehörden, offizielle Anlaufstellen und städtische Beratungsangebote gefahrlos in Anspruch genommen werden können. Viele Menschen befürchten, dass es sich auf ihren Aufenthaltsstatus negativ auswirken könnte, wenn sie hierzulande zu erkennen geben, sich in einer Problemlage zu befinden. Sich nicht aus eigener Kraft über Wasser halten und die eigene Familie versorgen zu können, kann zudem mit Scham verbunden sein, weshalb Hilfsbedarfe oft gar nicht erst kommuniziert werden. 

Die Säule der Vollzugsunterstützung wird von uns lageabhängig bedient und ist naturgemäß wenig planbar. Allerdings hat sich in der Vergangenheit in verschiedenen Kontexten gezeigt, dass unser Zugang zu bestimmten Communities wertvoll ist, um Sachverhalte, in denen der kulturelle Hintergrund bedeutsam ist, bewerten zu können. 


Säule V: Wissenschaft & Forschung

Die Aufgaben des Instituts in diesem Bereich sind vielfältig. Auf der einen Seite handelt es sich um die Möglichkeit, eigene und bedarfsorientierte Forschung in Kooperation mit anderen Einrichtungen zu entwickeln. Auf der anderen Seite geht es um die wissenschaftliche Beratung und die Nutzung des wissenschaftlichen Wissens für die Polizei in den jeweiligen Säulen unseres Instituts. Wir stehen daher mit vielen bundesweiten wissenschaftlichen Einrichtungen im Kontakt und sind offen für verschiedene Kooperationsprojekte. Allerdings erfordern Wissenschaft und Forschung Personalressourcen, die wir im ersten Jahr der Neustrukturierung in dem Maße nicht hatten. Interessante Forschungsansätze, die sich für unser Institut eignen würden, wären etwa die folgenden: 

  • Welche Maßnahmen unterstützen ein nachhaltiges Verhältnis zu migrantischen Communities?
  • Wie wird Fremdheit in der täglichen Polizeiarbeit verstanden?
  • Wodurch werden soziale (öffentliche) Räume zu gefährlichen Orten? Und welche Auswirkungen hat diese Bezeichnung für das nachbarschaftliche Umfeld? Für wen ist die Bezeichnung sozialer Räume als gefährliche Orte relevant?
  • Welche Erwartungen bestehen an das Institut für transkulturelle Kompetenz aus Sicht der Kolleginnen und Kollegen? Ergeben sich aus diesen Erwartungen Handlungskonsequenzen und wenn ja, welche?
Team des ITK

Team:

Frau Sonja Clasing, Leiterin des Instituts für transkulturelle Kompetenz. Sie trägt die inhaltliche und strategische Gesamtverantwortung.

Herr Dr. Miltiadis Zermpoulis, Wissenschaftlicher Mitarbeiter und stellvertretender Institutsleiter. Er unterstützt das Team wissenschaftlich, vor allem bei der Konzeption, Durchführung, Analyse und Evaluation von Fortbildungen und bei der Zusammenstellung von Fachinformationen. Außerdem initiiert Herr Zermpoulis eigene Forschungsvorhaben in Kooperation mit anderen akademischen Einrichtungen.

Frau Miriam Caballero, Mitarbeiterin des ITK. Sie ist Anti-Rassismustrainerin und u.a. zuständig für die Stärkung des innerpolizeilichen Netzwerks von Mitarbeitenden vornehmlich mit (aber auch ohne) Migrationshintergrund. Weiterhin ist sie an der Konzeption und Durchführung von Fortbildungen beteiligt.

Frau Derya Yildirim, Mitarbeiterin des ITK. Sie ist u.a. zuständig für die externe Netzwerkarbeit mit migrantischen Communities und weiteren einschlägigen Einrichtungen im Rahmen präventiver Polizeiarbeit.

Ein weiterer Mitarbeiter ist für die gesamte administrative Institutsarbeit verantwortlich. Ebenso ist er mit der Planung und Durchführung von bedarfsorientierten und tagespolitisch aktuellen Aus- und Fortbildungsformaten betraut. 

Praktikum
Leider hat es uns die Coronapandemie in 2021 nicht erlaubt, Praktikantinnen oder Praktikanten in unsere Arbeit einzubinden, dabei bietet unsere Dienststelle viele verschiedene Anknüpfungspunkte, um Polizeiarbeit von einer Seite kennenzulernen, die man vielleicht nicht unmittelbar mit der Polizei in Zusammenarbeit bringen würde. Wir hoffen daher, dass es die Zeiten bald wieder erlauben, Praktikantinnen und Praktikanten am ITK begrüßen zu können. 

Wir freuen uns auf Ihre Kontaktaufnahme bei Anregungen, Fragen, Fortbildungs- oder Beratungsbedarfen!

E-Mailadresse des ITK: ak-itk@polizei.hamburg.de

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