Internationaler Workshop an der Polizeihochschule in Oslo
Im Rahmen eines internationalen Workshops an der Partnerhochschule Politihögskolen (PHS) wurden vergleichende Bachelorarbeiten vorgestellt und diskutiert. Die AK beteiligte sich erstmals an diesem Projekt mehrerer Hochschulen und Polizeibehörden aus Schweden, Finnland, Island und Schottland und unterstützte gemeinsam mit weiteren Dienststellen von SP und LKA norwegische Bachelorstudierende in der Recherche und Durchführung von Forschungsarbeiten in Hamburg.
In Oslo kamen nun Studierende und Vertreter aller beteiligten Einrichtungen zur Abschlussveranstaltung zusammen. Die Akademie war mit dem stellvertretenden Akademieleiter Dr. André Malick, Prof. Dr. Stefan Malthaner vom Fachhochschulbereich sowie Niels Nickel und Martin Kagel vom International Office vertreten. Die Veranstaltung erwies sich auch als wertvoll für die weitere Vernetzung der AK im internationalen Kontext. So sind bereits Anschlussbesuche in Hamburg geplant. Gefördert werden die Maßnahmen u.a. aus dem Erasmus+ Programm der Europäischen Union.
Das Programm in Oslo umfasste mehrere Vorträge, darunter zu Befunden im Bereich Einstellungen. Zwei Forschende der PHS stellten Ergebnisse der Längsschnittstudie RECPOL vor. Durch für die Zulassung heraufgesetzte Anforderungen bringen die norwegischen Studierenden mittlerweile ausgezeichnete Schulabschlüsse mit, die sogar den sehr limitierten Zugang zu Studiengängen wie Medizin oder Ingenieurswissenschaften ermöglichen würden. Demnach stammen die norwegischen Polizeistudierenden aus überdurchschnittlich gut situierten Familien. Hier spielt die Korrelation zwischen Bildungsstand und ökonomischem Status des Elternhauses eine wichtige Rolle. Gleichzeitig ist der Anteil von ethnischen Minderheiten unter den Studierenden sehr gering. Insofern muss die Frage, ob die in den vergangenen Jahren an der PHS immatrikulierten Studierenden die Zusammensetzung der norwegischen Gesellschaft widerspiegeln, gegenwärtig klar verneint werden.
Weitere Fachvorträge widmeten sich britischen Präventionsansätzen im Falle von Radikalisierungen, die gerade durch Online-Präsenz befördert werden, oder auch internen Strategien der De-Eskalation innerhalb der kolumbianischen Bereitschaftspolizei.
Leitende Beamte der Osloer Zentralwache präsentierten das „Neighbourhood Policing“ in ausgewählten Distrikten. Dabei handelt es sich vor allem um eine Änderung im „Mindset“, nicht nur um eine bloße Organisationsfrage. Die Osloer Polizei verstärkt den Dialog mit der lokalen Bevölkerung und Geschäftsleuten in den betreffenden Innenstadtbereichen, fokussiert noch vielmehr auf Prävention als auf Reaktion und erhöht insgesamt ihre Präsenz, um für die Bevölkerung besser sichtbar und zugänglich zu sein.
Sehr bedrückend und besonders emotional für alle Teilnehmenden war der Besuch des 22. Juli-Zentrums - eine Gedenkstätte und zugleich ein Lern- und Informationszentrum, welches Wissen über die Terroranschläge von Anders Brejvik im Osloer Regierungsviertel und auf der Insel Utøya am 22. Juli 2011, die insgesamt 77 Todesopfer forderten, weitergibt.
Als positives Fazit dieses internationalen Workshops bleibt festzuhalten: „Wir sind sehr erfreut, dass wir die wirklich schon lange währende erfolgreiche Zusammenarbeit mit unseren norwegischen Partnern noch weiter intensivieren und um ein innovatives Format bereichern können“, sagt Martin Kagel, Leiter des International Office der AK. Die AK konnte zudem neue vielversprechende Kontakte und Impulse gewinnen und wird sich neben dem jährlich stattfindenden Studierendenaustausch im kommenden Jahr voraussichtlich ebenfalls in dem europäischen Verbund zu den komparativ angelegten Bachelorarbeiten einbringen.
So zeigte sich denn auch AKL/V Dr. André Malick sehr zufrieden mit dem Ergebnis: „"Der Aufenthalt an der Partnerhochschule Politihögskolen (PHS) hat mir gezeigt, welches Potenzial in den Nachwuchskräften der beteiligten Partnerorganisationen steckt und wie wertvoll es ist, einen Rahmen zu schaffen, der es ihnen ermöglicht, dieses Potenzial auch zu zeigen. Insbesondere in Krisenzeiten wird es - nicht nur in Europa - darauf ankommen, dass der polizeiliche Nachwuchs Frieden und Sicherheit in den Kontext einer globalisierten Welt stellt und sich damit um länderübergreifende gesellschaftliche Stabilität verdient macht. Ich freue mich sehr auf die weitergehende Vernetzung!"