Zukunft der Polizei IV „Digitale Transformation“

Welche Aufgaben und Herausforderungen ergeben sich für die Polizei und ihre Bildungseinrichtungen aus dem digitalen Wandel?

Zukunft der Polizei IV „Digitale Transformation“

Um optimal auf neue Gegebenheiten des gesellschaftlichen Megatrends Digitalisierung zu reagieren und die polizeiliche Arbeit an die neuen Herausforderungen anpassen zu können, gibt es eine Vielzahl von Möglichkeiten. Die Digitalisierung von Einsatz- und Führungsmitteln sowie von Aus- und Fortbildung helfen der Polizei dabei, mit den digitalen Veränderungen unserer Zeit Schritt halten zu können.

Der Leiter der Akademie der Polizei Hamburg, Thomas Model, prognostizierte, dass „sich das gesamte Berufsbild der Polizei eklatant verändern“ werde. Model sagte weiter: „Wir wollen die DHPol nutzen als zentrale Plattform für Bildungsthemen der Polizei.“

Eike Richter, Professor für Öffentliches Recht und IT an der Hamburger Akademie der Polizei, stellte fest, die Digitalisierung pralle auf eine Verwaltung, die nach wie vor durch Hierarchie und Bürokratie gekennzeichnet sei. Angesichts volllaufender E-Mail-Postfächer, analoger und digitaler Aktenführung sowie kollaborativer Plattformen und Netzwerke, die das gleichsam „hybride Arbeiten“ prägten, entwickele sich komplizierte Abläufe, bei denen sich immer wieder die Frage stelle: „Wer hat eigentlich den aktuellen Stand zum Vorgang?“

Helen Albrecht vom Bundeskriminalamt skizzierte eine Arbeitswelt, in der immer mehr Projekte traditionelle Strukturen ablösen, der Kampf um die besten Köpfe stattfindet und die Digitalisierung allgegenwärtig sei. Vor diesem Hintergrund sollte die Veränderungsbereitschaft als eine zentrale Kompetenz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gestärkt werden. Mit Blick auf die Umsetzung seien kleinere digitale Lösungen anstatt 120 %- Ansätze anzustreben. IT-Lösungen seien oft schon auf dem Markt verfügbar und müssten auch nicht „immer alle selbst gebastelt“ werden.

Helen Albrecht, Leiterin Zentrale Verwaltung, BundeskriminalamtHelen Albrecht, Leiterin Zentrale Verwaltung, Bundeskriminalamt

Im weiteren Verlauf richtete sich der Fokus auf die Digitalisierung von polizeilichen Einsätzen, gezeigt von Franziska Ludewig am Forschungsprojekt SENTINEL als Beispiel für die Nutzung von Open-Source Intelligence (sog. OSINT). Das Internet und die sozialen Medien böten „eine Vielzahl von öffentlich zugänglichen, personenbezogenen Daten“. Diese lassen sich für die Arbeit beispielsweise in Einsatzleitstellen nutzbar machen. In der wissenschaftlichen Evaluation wurden ca. 1.300 Einsätze zugrunde gelegt. In 26% dieser Einsätze wurden keine OSINT-Daten eingespeist. Bei ca. 1.000 Einsätzen entfielen mehr als die Hälfte auf die Einsatzkategorien Suizidandrohungen oder -versuche, vermisste Personen und häusliche Gewalt, so einzelne Ergebnisse der Studie. In knapp 60% dieser Fälle wurde dies als relevant für die Sicherheit von Polizeivollzugsbeamten und weiteren Beteiligten eingeschätzt.

Vor der polizeilichen Aus- und Fortbildung macht die Digitalisierung nicht halt, ob nun in Form von Virtual Reality und Simulationssoftware im Training oder Künstlicher Intelligenz. Dies zeigten sehr praktisch und anschaulich die Vorstellungen von SAFER aus Rheinland-Pfalz, welches dort von Feuerwehr und Polizei genutzt wird, und HYDRA von der London Metropolitan Police. Gleichwohl „sollten virtuelle Übungen reale Situationen nicht vollständig ersetzen“, so Markus Oppenhäuser von der Hochschule der Polizei Rheinland-Pfalz, sie helfen aber, personelle, finanzielle und zeitliche Ressourcen zu sparen und Wiederholungen zu ermöglichen. In der Ausbildung würden Low-Level-Szenarien angewandt, damit die Übenden nicht vor zu komplexe Aufgaben gestellt werden.

AKL Thomas Model mit Angie Robbins und Julian Braithwaite von der London Metropolitan PoliceAKL Thomas Model mit Angie Robbins und Julian Braithwaite von der London Metropolitan Police

All dies macht jedoch ein Umdenken notwendig und stellt Führungskräfte vor die Herausforderung, ein Änderungsmanagement in ihren Organisationen durchzuführen. Prof. Lange, Präsident der DHPol, sprach die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Belastungen aller Mitarbeiter, vor allem aber auch der Führungskräfte an. Sie sind einer stetig wachsenden Erwartung, Präsenz und permanenten Erreichbarkeit ausgesetzt. Die Fehleranfälligkeit nehme so trotz der immer perfekteren Technik zu. Hier sind eindeutig Tendenzen einer Überlastung festzustellen. Lange und Model kündigten an, dass sich DHPol und Akademie der Polizei in einer weiteren Tagung mit diesem Thema beschäftigen werden.

AKL Model_bedankt sich bei den Referenten Markus Oppenhäuser und Christian Neitzer für ihren VortragAKL Thomas Model bedankt sich bei den Referenten Markus Oppenhäuser und Christian Neitzer für ihren Vortrag

Mit der Tagung setzten die Deutsche Hochschule der Polizei und die Akademie der Polizei Hamburg ihre gemeinsame Veranstaltungsreihe zur Zukunft des Polizeiberufes erfolgreich fort.

 

Viritual Reality Project SAFER - Simulation in der Ausbildung für Einsatzkräfte in Rheinland-PfalzViritual Reality Project SAFER - Simulation in der Ausbildung für Einsatzkräfte in Rheinland-Pfalz

 

Tagungsvortrag zum Projekt SAFER

Tagungsvortrag zum Projekt SAFER