Netzwerk demokratische Polizei

Akademie der Polizei Hamburg zeigt starke Präsenz beim „Kongress Netzwerk demokratische Polizei“ in Hannover

Netzwerk demokratische Polizei

Akademie der Polizei Hamburg zeigt starke Präsenz beim „Kongress Netzwerk demokratische Polizei“ in Hannover
Zum bundesweiten Kongress "Netzwerk demokratische Polizei – Forschung, Bildung, Praxis im gesellschaftlichen Diskurs" begrüßte
die Polizeiakademie Niedersachsen mehr als 200 Teilnehmende vor Ort im Hannover Congress Centrum. Mehrere Hundert Gäste waren der
Veranstaltung zudem per Livestream zugeschaltet.

Der Direktor der Polizeiakademie Niedersachsen, Carsten Rose, zeigte sich über die hohe Resonanz erfreut: "Wir verstehen den Kongress als
weiteren Baustein zur Stärkung der demokratischen Widerstandskraft der Polizeien sowie als Beitrag zum Austausch und zur Vernetzung der
verschiedenen Akteure."

Der Direktor der Polizeiakademie Niedersachsen Carsten Rose Der Direktor der Polizeiakademie Niedersachsen Carsten Rose (Bild: Polizei Niedersachsen)

Das inhaltliche Spektrum des Kongresses unter der Schirmherrschaft des Niedersächsischen Ministers für Inneres und Sport Boris Pistorius reichte von Diskriminierungstendenzen über Rassismus und Antisemitismus, Sexismus und Gender/LSBTIQ bis hin zu Aspekten von Organisationskultur und Führung.

Der Niedersächsische Innenminister Boris Pistorius Der Niedersächsische Innenminister Boris Pistorius (Bild: Polizei Niedersachsen)


In Workshops sowie an diversen Ausstellungsständen wurden den Teilnehmenden aus Polizeien der Bundesländer und des Bundes, aus Politik und Wissenschaft aktuelle Projekte und Initiativen aufgezeigt.

Impressionen von der kongressbegleitenden Ausstellung Impressionen von der kongressbegleitenden Ausstellung (Bild: Polizei Niedersachsen)


Am Stand der Akademie der Polizei Hamburg präsentierten sich die Forschungsstelle Strategische Polizeiforschung (FOSPOL), das Institut für Transkulturelle Kompetenz (ITK), das Forschungsprojekt „Demokratiebezogene Einstellungen und Werthaltungen innerhalb der Polizei Hamburg“ (DeWePol) sowie die Geschäftsstelle Demokratische Resilienz (DemoRes).

Ausstellungsstand der Akademie der Polizei Hamburg mit den Projekten und Instituten DeWePol, FOSPOL, ITK und DemoRes Ausstellungsstand der Akademie der Polizei Hamburg mit den Projekten und Instituten DeWePol, FOSPOL, ITK und DemoRes (Bild: Polizei Niedersachsen)

Prominente Referierende waren zu Gast. Der Präsident des Bundesverfassungsgerichts a.D. und Vorsitzender des Vereins Gegen Vergessen - Für Demokratie e.V., Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Andreas Voßkuhle, führte in seiner Key Note "Demokratie schützen - Zur Rolle der Institutionen und ihrer Mitwirkenden" ebenso fundiert wie in breiter Perspektive in das Thema ein. Er betonte, dass wir Polizistinnen und Polizisten brauchen, die sich aktiv für die Demokratie einsetzten. Zudem müsste Demokratie vor Ort gestaltet und gelebt werden – dies jeden Tag aufs Neue.

Der Präsident des Bundesverfassungsgerichtes a.D., Prof. Dr. Dr. Andreas Voßkuhle Der Präsident des Bundesverfassungsgerichtes a.D., Prof. Dr. Dr. Andreas Voßkuhle (Bild: Polizei Niedersachsen)

Die Publizistin und Politikerin Marina Weisband referierte über Sicherheit und Freiheit in einer digitalisierten, demokratischen Gesellschaft. Anhand einer „Pyramide der Gewalt“ demonstrierte sie, weshalb auch vermeintlich harmlose Chatgruppen bereits ein Problem darstellten, bildeten sie doch oft einen Eintritt in weitere Eskalationsstufen wie physische Gewalt.

Die Politikerin und Publizistin Marina Weisband Politikerin und Publizistin Marina Weisband (Bild: Polizei Niedersachsen)

Prof.Dr. Rafael Behr, Polizeiwissenschaftler und Kriminologe von der Akademie der Polizei Hamburg, zeigte in seinem Beitrag zur Organisationskultur Strukturmerkmale auf, die unerwünschte Radikalisierungstendenzen begünstigen oder aber zu deren Vermeidung
beitragen können: Potentiell problematisch erscheinen demnach Einheiten, die  insbesondere durch Abgeschlossenheit, Maskulinität, Heroisierung und gewisse Eintrittsbarrieren gekennzeichnet seien; demgegenüber stellten gemischte Dienstzweige wie Kriminal- und Schutzpolizei, verschiedene Hierarchieebenen des mittleren, gehobenen und höheren Dienstes sowie eine dichte, authentische Kommunikation positive Strukturmerkmale von Dienststellen dar.

Der Polizeiwissenschaftler und Kriminologe Prof. Dr. Rafael Behr von der Akademie der Polizei Hamburg Der Polizeiwissenschaftler und Kriminologe Prof. Dr. Rafael Behr von der Akademie der Polizei Hamburg (Bild: Polizei Niedersachsen)

Der Leiter der Akademie der Polizei Hamburg, Thomas Model, hob in seinem Vortrag hervor, dass die „Fehlerkultur ein besonderes Thema für die Polizei“ sei. Begriffe zu tabuisieren, mit denen wir nicht in Verbindung gebracht werden wollen, helfe unseren Kolleginnen und Kollegen aber nicht, so Model. Er fragte nach den Orten, wo  Polizistinnen und Polizisten sich und ihr Handeln reflektierten und wie sehr hier beispielsweise auf Supervision gesetzt würde. Vielfalt sei ein „wesentlicher Erfolgsfaktor“. Model wünschte sich, dass „der Wert polizeilicher Bildungsarbeit noch mehr erkannt würde“ sowie eine „stärkere Priorisierung polizeilicher Bildungsarbeit“. Mit Blick auf Handlungsstrategien gegen Radikalisierung griff Akademieleiter Thomas Model sich das Handlungsfeld Führung heraus und erklärte, Führung heiße „Kümmern und Verantwortung übernehmen. Führung braucht Mut.“

Der Leiter der Akademie der Polizei Hamburg Thomas Model Der Leiter der Akademie der Polizei Hamburg Thomas Model (Bild: Polizei Niedersachsen)

Mit dem Kongress sollten Diskussionen über die Polizei aufgegriffen, kritische Diskurse geführt und der Austausch mit der Wissenschaft verstetigt werden. An den beiden Kongresstagen traten Polizeien aus ganz Deutschland mit namhaften Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zu aktuellen Themen in den Dialog. Die Veranstaltung wurde in Kooperation mit der Konferenz der polizeilichen Hochschulen, Fachbereiche und Akademien des Bundes und der Länder (HPK) durchgeführt.