Neues Denk- und Mahnmal in Hamburgs Erinnerungskultur

Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz hat am Bahnhof Dammtor ein Denkmal eingeweiht, das an die rettenden Kindertransporte heraus aus Norddeutschland in den Jahren 1938/39 erinnert.

Neues Denk- und Mahnmal in Hamburgs Erinnerungskultur

Denk- und Mahnmal am Dammtor Bahnhof

Scholz sagte über das vollständig aus privaten Mitteln finanzierte Denkmal mit dem Titel „Der letzte Abschied – The final Parting“: „Dieses Geschenk wird sich als Denk- und Mahnmal in Hamburgs Erinnerungskultur einfügen. Hier am Dammtor steht der bittere Moment des Abschieds von den anderen, denen nicht oder noch nicht die Ausreise glückte, im Mittelpunkt.“

Bürgermeister Olaf Scholz

Denk- und Mahnmal am Dammtor Bahnhof

Gegenstück dazu sei laut Scholz „die Gedenkstätte am Hannoverschen Bahnhof, wo die Eltern und Angehörigen der Kinder zusammen mit unzähligen anderen Menschen jeden Alters in die Konzentrationslager deportiert wurden.“

Scholz sagte an die bei der Einweihung anwesenden Zeitzeugen gewandt: „Die Wichtigkeit der so genannten Oral History, des unmittelbaren lebensgeschichtlichen Zeugnisses wird hier ganz deutlich. Dass Sie so viel Leidenschaft dabei beweisen, Ihr Wissen und Ihre persönliche Geschichte mit den Menschen in Ihrer Heimatstadt zu teilen, erfüllt uns alle mit größtem Respekt und tiefer Dankbarkeit.“

Der Bürgermeister betonte, dass so viele Kinder gerettet werden konnten, sei dem raschen, beherzten Eingreifen Einzelner zu verdanken.

Denkmaleinweihung

Die Zeitzeugin Prof. Dr. Mirjam Gillis-Carlebach sagte, „Kindertransport“ klinge zunächst eher kalt und technisch – dahinter verberge sich aber eine Rettungsaktion, in der „zehntausend Mütter und Väter, Familien und Heime ihre Herzen und Türen öffneten.“ Großes Verständnis und unendliche Geduld sowie auch die behutsame sprachliche Annäherung waren es, die den Kindern halfen, sich wieder als Kinder in einer Familie zu fühlen. „So wollen wir den Familien ewig dankbar sein.“

Esther Bauer

Auch die Zeitzeugin Esther Bauer aus New York nahm an der Einweihung teil. Bereits am Vortag sprach die gebürtige Hamburgerin in einem beeindruckenden Zeitzeugengespräch mit Auszubildenden der Akademie der Polizei Hamburg im Hamburger Polizeimuseum über ihre Erlebnisse und Erfahrungen während der NS-Zeit. Sie überlebte die Lager Auschwitz, Theresienstadt und Mauthausen.

Zuschauer der Veranstaltung

Die Enthüllung des Denkmals erfolgte gemeinsam durch Schüler der Joseph Carlebach Schule Hamburg, Zeitzeugen und Polizeischüler der Akademie der Polizei Hamburg.

Das Denkmal ist ein Werk des Bildhauers Frank Meisler aus Tel Aviv, der selbst als Kind von Danzig nach London mit einem Kindertransport entkommen konnte. Meisler hat seine gesamte auf dem Kontinent verbliebene Familie in der Zeit des Nationalsozialismus verloren.

Die norddeutschen Kinder gelangten mit Zügen und auf Schiffen nach Großbritannien, in die Niederlande, Belgien, Schweden, Frankreich, Dänemark, USA und in die Schweiz. Mit der bedeutendsten Rettungsaktion der Vorkriegsgeschichte wurden 12.500 Kinder gerettet. 

Der Verein Kindertransport Organisation Deutschland e.V. mit der Kuratorin Lisa Sophie Bechner hat bereits ähnliche Denkmäler in  London, am Bahnhof Friedrichstraße in Berlin, am Danziger Hauptbahnhof und in Hoek van Holland zur Erinnerung an die Routen der Kinder auf ihrem Fluchtweg über Land und Meer aufstellen lassen.

Blume am Fuss der Statue

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Einige Impressionen von der Veranstaltung

Einige Impressionen von der Veranstaltung

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