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Studienfahrten

Globus von Hand zu Hand
© Bild von Dorothe auf Pixabay
Akademie der Polizei

Studierende der Akademie der Polizei besuchen internationale Institutionen

In diesem Bereich werden Erfahrungsberichte über internationale Studienfahrten gezeigt, die sowohl von unseren Professorinnen und Professoren, als auch von unseren Studierenden und Auszubildenden verfasst worden sind.

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© Polizei Hamburg
Akademie der Polizei

Der Weg zur Sicherheitsunion

„Es ist an der Zeit zu handeln. Im Bereich der Sicherheit sind wir – wie in vielen anderen Bereichen in Europa – verwundbar, wenn wir nicht gemeinsam handeln. Europa braucht eine echte Union der Sicherheit.“ (Jean-Claude Juncker, Präsident der EU-Kommission, EU- Parlament, 12. April 2016) Auf Einladung des deutschen Europaparlamentsabgeordneten Jan Philipp Albrecht (GRÜNE) besuchte die Studiengruppe 15K unter der Leitung der Dekanin, Prof. Dr. Kristin Pfeffer, zusammen mit Frau Prof. Dr. Stefanie Kemme und der Wissenschaftlichen Mitarbeiterin Nele Achten Ende November 2017 Europäische Institutionen in Brüssel und die Universität Leuven. In Zeiten von Terrorgefahr, Brexit, Flüchtlingswellen und einer sich ausbreitenden Europaskepsis bei den EU-Bürgern trafen sie bei ihrem umfangreichen dreitägigen Besuchsprogramm auf viele flammende Europäer, die (nahezu) unbeeindruckt die noch junge Idee der Sicherheitsunion verfolgten. Beim EU-Kommissariat für die Sicherheitsunion Bereits am Ankunftstag wurde den Studierenden von Séverine Wernert, Mitarbeiterin des EU-Kommissars Julian King, zunächst die Europäische Agenda für eine Sicherheitsunion vorgestellt: Hierbei geht vor allem um gesetzliche Maßnahmen, die Terroristen von (finanziellen) Ressourcen abschneiden, zur Verbesserung des Informationsaustausches, zur Bekämpfung der Radikalisierung, zum verbesserten Schutz der EU-Außengrenzen. Julie Ruff erläuterte sodann die aktuellen Maßnahmen der EU-Kommission gegen Cybercrime. Mit einem dritten Vortrag zu den allgemeinen Aufgaben der EU-Kommission und einer sich anschließenden engagierten Diskussionsrunde zur Krise in der EU klang der erste Besuchstag schließlich aus. Europäisches Amt für Betrugsbekämpfung (OLAF - Office Européen de Lutte Anti-fraude) Am zweiten Tag ihrer Reise ließen sich die Studierenden zunächst im Europäischen Amt für Betrugsbekämpfung von dem ehemaligen deutschen Staatsanwalt und jetzt Legal Officer in der Rechtsabteilung des OLAF, Volker Effenberger, erklären, wie das Amt Fälle von Betrug zum Nachteil des EU-Haushalts, von Korruption sowie von schwerwiegendem Fehlverhalten innerhalb der Organe und Einrichtungen der EU untersucht. Denn das OLAF untersucht Delikte verschiedener Art, von Veruntreuung, betrügerischer Geltendmachung von Ansprüchen und Fehlverhalten in Verfahren zur Vergabe öffentlicher Aufträge bis hin zu Zollbetrug. HANSE-Office - Gemeinsame Einrichtung von Hamburg u. Schleswig-Holstein bei der EU Im HANSE-Office traf die Studiengruppe auf Saskia Hörmann, nach Brüssel abgeordnete deutsche Richterin aus Schleswig Holstein, die diese Gemeinsame Einrichtung der Länder Hamburg und Schleswig-Holstein bei der Europäischen Union vorstellte. Sie erläuterte die Aufgaben des HANSE-Office, wie z.B. die frühzeitige Information der Landesstellen über aktuelle EU-Politiken, Rechtsetzungsverfahren und Förderprogramme. Ein weit reichendes Netzwerk an Kontakten in die Europäischen Institutionen, insbesondere zur Europäischen Kommission und dem Europäischen Parlament ermöglicht es , die Interessen Hamburgs und Schleswig-Holsteins in die Entscheidungsprozesse auf europäischer Ebene einfließen zu lassen. Treffen mit Jan-Philipp Albrecht, Deutsches Mitglied des EU-Parlaments Am Abend traf die Studiengruppe auf Jan Philipp Albrecht. Er ist innen- und justizpolitischer Sprecher der Grünen Fraktion im Europäischen Parlament und setzt sich für Bürgerrechte im digitalen Zeitalter ein. Den Studierenden aus Hamburg ist er insbesondere als ehemaliger Berichterstatter des EU-Parlaments für das Datenschutzpaket (Inkrafttreten im Mai 2018) bekannt, dessen Entstehung sie im Dokumentarfilm „Democracy – Im Rausch der Daten“ verfolgen konnten. Jan Philipp Albrecht brachte die Studierenden in dem Treffen auf den Stand der neuesten gesetzgeberischen Aktivitäten des EU-Parlaments im Bereich innere Sicherheit. Im Anschluss im Plenarsaal des Parlaments erfuhren die Studierenden die Besonderheiten der Zusammensetzung und Arbeit des EU-Parlaments. An der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Leuven Am Morgen des dritten Tages begab sich die Studiengruppe in die nahegelegene Universitätsstadt Leuven, in Flämisch-Brabant. Gemeinsam mit Jurastudenten und Kriminologen verfolgten sie an der dortigen Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Katholischen Universität Leuven eine spannende Vorlesung des bekannten niederländischen Kriminologen Prof. Henry Otgaar (Universität Maastricht) zu „Sachverständigen im Strafrechtsprozess“. Im Anschluss hieran wurden die beiden deutschen Professorinnen zusammen mit Nele Achten noch von Prof. Stefaan Pleysier, Direktor des “Leuven Institute of Criminology – LINC“, empfangen. Dieser stellte den dortigen Masterstudiengang Kriminologie mit den jeweiligen Forschungsschwerpunkten vor. Es wurde dann noch über die Polizeiausbildung in den jeweiligen Ländern diskutiert. Mit dem dreitägigen Ausflug zu den Europäischen Institutionen wurde bei den Studierenden die Erkenntnis nochmals bestärkt, dass die Institutionen der Europäischen Union derzeit weitreichende Schritte hin zu einer Sicherheitsunion unternehmen, die ihre Berufswelt in den nächsten Jahren prägen wird. Prof. iur. Kristin Pfeffer

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© Polizei Hamburg
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Jerusalem Altstadt und die originale „Davidwache“

Am Mittwoch, dem 04. Dezember, führte uns das Programm nach einem Besuch der Yasam-Spezialeinheit Jerusalem in die für den David-Bezirk der Altstadt zuständige Polizeiwache, welche man mit Fug und Recht als die originale „Davidwache“ bezeichnen könnte. Ein Umstand, den Yalon, unser bewährter Reiseführer, uns Hamburger Beamten mit einem leichten Schmunzeln natürlich weder vorenthalten wollte noch konnte. Nur wenige hundert Meter hinter dem westlich gelegenen „Jaffa-Tor“ gelegen, befindet sich die Polizeistation inmitten der sie umgebenden Altstadt. Untergebracht ist die Wache, ähnlich wie das Hamburger „Replikat“ nicht in einem Neubau, sondern in einem Gebäude, das dem historischen Gebäudebestand angehört. So stiegen wir zunächst eine sehr schmale, recht unebene Treppe zu einer überdachten Terrasse hinauf, wo wir durch einen Angehörigen des Stabes der Wache in Empfang genommen wurden. Mit „Blick ins Gelände“ hörten wir nun einen Vortrag über die umkämpfte Geschichte der Stadt Jerusalem und die kulturell-religiöse Vielfalt dieses nur etwa einen Quadratkilometer um-fassenden Stadtteils. Sehr interessant war hierbei die räumliche Verteilung der verschiedenen Ethnien, Religionen und Kulturkreise auf die einzelnen Areale der Altstadt. Gerade aus polizeilicher Sicht bot dies einen interessanten Einblick in die multikulturell und vor allem multireligiös geprägte Sicherheitslage dieses Ortes, die das polizeiliche Arbeiten in der Altstadtwache von Jerusalem so spannend und herausfordernd macht. Im Anschluss erfolgte eine Einweisung in die Kommandozentrale der Wache. Diese ist hochmodern ausgestattet und strahlt ein ganz eigentümliches Ambiente aus. Aufgrund der bereits angesprochenen Einbettung in die historische Gebäudeinfrastruktur bot sie mit einem krassen Kontrast zwischen historischem Mauerwerk und Flatscreen-Chic eine einzigartige Atmosphäre. Man ermöglichte uns einen seltenen Einblick in die technologischen Möglichkeiten der Jerusalemer Polizei in Bezug auf Videoüberwachung, die sich in der Altstadt auf immerhin über 500 Überwachungskameras abstützt und der damit verbundenen schnellen Reaktion auf Terroranschläge. Weiteres Thema waren Erfahrungswerte beim Einsatz von künstlicher Intelligenz und Gesichtserkennungssoftware. Zum Abschluss wurden uns mithilfe von Überwachungsvideos die ungeschönte Realität regelmäßiger Terroranschläge der Vergangenheit gezeigt. Hierbei ging es um die beobachteten Entwicklungen wie zum Beispiel Tatbegehung, Tatmittel, hier vor allem Messer, Täterstrukturen und Tatmotive sowie natürlich um die ergriffenen Sofortmaßnahmen und langfristigen einsatztaktischen Reaktionen seitens der Sicherheitskräfte. Zum Abschluss unseres Besuches tauschten wir gegenseitig Gastgeschenke aus und nahmen an dieser Stelle auch ein wenig wehmütig Abschied von unserem Verbindungsbeamten der israelischen Polizei, Herrn Polizeirat Arik Cohn. Ihm und seinen Kollegen gilt an dieser Stelle unser aufrichtig empfundener Dank für eine tolle Reise und einen eindrucksvollen Besuch der Jerusalemer Davidwache. Im Anschluss übernahm in bewährter Form Yalon die Gruppe und es folgte eine kurze aber hochinteressante Führung durch die Altstadt, den Ort an dem sich Heiligtümer der drei großen monotheistischen Religionen auf engstem Raum befinden. Wir besichtigten die Klagemauer und die Grabeskirche. Ein Besuch des Tempelberges und der darauf befindlichen Al-Aqsa Moschee sowie des Felsendomes war aufgrund der wenigen zur Verfügung stehenden Zeit in Folge des klaren polizeilichen Fokus unserer Exkursion leider nicht möglich. Dieser historische Ort mit seinen verwinkelten Gassen und Märkten und seiner ganz besonderen Atmosphäre, geprägt durch Besucher der religiösen Stätten aber auch durch die erhebliche Präsenz von Sicherheitskräften aufgrund der permanenten Bedrohungslage hinterließ einen bleibenden Eindruck bei uns.

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© Polizei Hamburg
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Auf den Spuren des Hamburger Reserve-Polizei-Bataillons 101

Ausgehend von einer Informationsveranstaltung zur Reise sowie einem Kennenlerntreffen nahmen 2015 insgesamt 25 Auszubildende aus der Oberstufe (4./5. Semester) und Studierende der Fachhochschule der Akademie der Polizei Hamburg an der Gedenkstättenfahrt teil. In Lublin, dem Aufenthaltsort der ersten sechs Tage, wurde/-n bei einer Stadttour das jüdische Leben bzw. die Spuren dessen aufgezeigt (ein Gebetsraum, ein jüdischer Friedhof und eine Synagoge). Mit der Besichtigung der KZ-Gedenkstätte Majdanek in Lublin lernten die Teilnehmer die Struktur des ehemaligen Lagers, das Handeln der Täter, speziell das des Hamburger Reserve-Polizei-Bataillons 101, und das Leid der Opfer kennen. Im Gespräch mit einer Zeitzeugin am selben Tag konnten Eindrücke aufgearbeitet und Fragen beantwortet werden. Den Kern der Reise stellte der Besuch des Ortes Józefów dar: In einem Waldstück wurden am 13. Juli 1942 1500 Juden durch das Hamburger Reserve-Polizei-Bataillon 101 durch Erschießen ermordet. Die Erschießung stellte einen der traurigen Höhepunkte im Wirken des Hamburger Reserve-Polizei-Bataillons 101 im Zuge seines Einsatzes bei der Judenvernichtung in Polen dar. Das Gedenken an die Opfer sowie die Auseinandersetzung vor Ort mit den Ursachen, Bedingungen und Folgen der Handlungen des Bataillons waren intensiv und lehrreich. Gerade der Zusammenhang zu ihrer heutigen Tätigkeit und der persönlichen Verantwortung für ihr polizeiliches Handeln wurde den Teilnehmern deutlich. In Lublin fand ein Treffen mit der polnischen Polizei statt. Der Besuch verschiedener Dienststellen sowie der gemeinsame Austausch lieferten einen Einblick in die polnische Polizeiarbeit und waren für alle Teilnehmer sehr interessant. Darüber hinaus standen die Besuche von Gedenkstätten in Bełżec, Zamość und in Kazimierz Dolny auf dem Programm. Per Bus ging es dann von Lublin knapp 400 km nach Oświęcim. In Oświęcim wurde fünf Tage in der Internationalen Jugendbegegnungsstätte genächtigt. Neben einer Stadtführung standen die Besuche von Auschwitz I (Stammlager) und Auschwitz II (Auschwitz-Birkenau) an. Durch die Führungen in den Gedenkstätten von Auschwitz wurde die Geschichte eines der größten Menschheitsverbrechen den Teilnehmern nähergebracht. Vor allem die Möglichkeit der Besichtigung der verschiedenen Ausstellungen und die Gelegenheit zum genaueren Nachfragen trugen zu einem besseren Verständnis der Geschichte bei. Auf dem Gelände des Stammlagers leisteten die Teilnehmer an einem Vormittag Erhaltungsarbeiten. Die Beschäftigung mit dieser Arbeit half zusätzlich bei der Annäherung mit der Thematik. Schließlich lernten in Krakau die Teilnehmer die Geschichte der Stadt mitsamt der jüdischen Kultur kennen. Sowohl die Reflexionsphasen während der Gedenkstättenfahrt als auch die Nachbereitung regten das Nachdenken über die eigenen Lernprozesse an und zeigten die Relevanz der Auseinandersetzung mit der (polizeilichen) Vergangenheit für das politisch-historische Bewusstsein sowie das demokratische Wertebewusstsein auf. Ein besonderer Dank geht an den Polizeiverein Hamburg e.V. und das Deutsch-Polnische Jugendwerk.

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