Ahmad Mansour in Aktueller Stunde zum Nahostkonflikt

Das ITK führte mehrere Veranstaltungen zum Nahostkonflikt mit dem Referenten Ahmad Mansour durch

Ahmad Mansour in Aktueller Stunde zum Nahostkonflikt

Am 27. Mai und am 9. Juni 2021 hat das Institut für transkulturelle Kompetenz (ITK) der Akademie der Polizei Hamburg anlässlich der jüngsten militärischen Auseinandersetzungen zwischen Israel und Palästina jeweils eine digitale Aktuelle Stunde zum Nahostkonflikt mit Ahmad Mansour angeboten. In dem Format der Aktuellen Stunde werden gesellschaftspolitische Themen mit Relevanz für Sicherheitskräfte aufgegriffen und aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet. Das Angebot richtet sich an alle Polizeibediensteten. Dazu ein Teilnehmer: „Vielen Dank an Herrn Mansour und das ITK, dass dieses wertvolle Angebot der politischen Bildung dazu beiträgt, den Kolleginnen und Kollegen gesellschaftlich hoch aktuelle Ereignisse näher zu bringen, um sich so eine fundierte eigene Meinung bilden zu können.“Symbolbild Nahostkonflikt

Der sogenannte Nahostkonflikt ist für Außenstehende unübersichtlich und übersteigt ein gewisses Maß an Nachvollziehbarkeit. Die Wurzeln des Konfliktes reichen über 3000 Jahre zurück. Im Kern geht es um die Frage, wem das heutige Palästina gehört. Der Konflikt in Nahost hat auch Auswirkungen auf Deutschland, hiesige Bevölkerungsgruppen und die Sicherheitsbehörden. Vor allem das Demonstrationsgeschehen sowie der Schutz jüdischer Liegenschaften und Institutionen stellen die Sicherheitskräfte vor Herausforderungen.

Insbesondere bezogen auf das Protestgeschehen ist es schwieriger geworden, die einzelnen politischen Zielrichtungen der Veranstalter klar auseinanderzuhalten. Mansour, selbst israelischer Palästinenser, arbeitet seit mehr als zehn Jahren mit der Berliner Polizei zusammen und sagt dazu: „Die Behörden stehen gegenwärtig vor der großen Herausforderung, einerseits das Grundrecht auf Versammlungsfreiheit zu gewähren und andererseits verfassungsfeindliche Anmeldungen zu enttarnen.“ Natürlich sei es richtig, für Frieden und gegen Krieg auf die Straße zu gehen. Ob es sich aber um Kundgebungen zur Unterstützung Palästinas, zur Unterstützung der Hamas, ob es sich um antiisraelische oder antisemitische Demonstrationen handele, dies sei nicht mehr einfach zu unterscheiden, so Mansour weiter.

Eine der besagten Demonstrationen fand am 28. Mai 2021 auf dem Steindamm in St. Georg statt. Angemeldet wurde diese von der Gruppierung Muslim Interaktiv, die sich jedoch auch aus Mitgliedern der verbotenen Hizb ut-Tahrir zusammensetzt. Der Hass der Veranstalter richtete sich dabei nicht nur gegen den Staat Israel, sondern zunehmend und immer wieder auch gegen Menschen jüdischen Glaubens an sich. 

Obwohl Antisemitismus in der muslimischen Welt weit verbreitet ist, ist es zu kurz gegriffen, davon auszugehen, dass Antisemitismus ein rein muslimisches Problem ist. Dies haben Anhänger von Verschwörungstheorien insbesondere der letzten Monate eindrücklich bewiesen, und auch auf den gegenwärtigen antiisraelischen Kundgebungen laufen rechtsradikale Deutsche mit. Zugleich erheben auch Künstlerinnen und Künstler sowie Intellektuelle ihre Stimme gegen Israels Politik. Auf etlichen Demonstrationen stehen israelische und palästinensische Menschen gemeinsam für Frieden und Völkerverständigung.

Wo hört Israelkritik auf und wo fängt Antisemitismus an? Welche Rolle spielen Religion und kulturelle Identitäten? Welche bildungspolitischen Maßnahmen sind erforderlich, um auch hierzulande präventiv gegen islamistische Radikalisierungen und Antisemitismus, gegen Verschwörungstheorien und Hate Speech vorzugehen? Eine der Antworten ist, laut Mansour, die digitale Sozialarbeit. Radikalisierungen nähmen in den sozialen Medien ihren Anfang, es sei daher erforderlich, diejenigen zu erreichen, die noch keine gefestigten radikalen Einstellungen aufwiesen. Dies müsse zunehmend auch über das Internet gelingen. Wachsames und geschultes Personal von Deradikalisierungs- und Beratungsorganisationen sei hier gefragt, wirksame Angebote zu entwickeln, die sich auf junge Menschen in den sozialen Medien konzentrierten.

 

Seit Jahren setzt sich Ahmad Mansour für vergrößern Ahmad Mansour (Bild: Ahmad Mansour) Demokratieförderung und Gleichberechtigung ein und engagiert sich gegen Antisemitismus und islamistische Radikalisierungen. Sowohl seine Publikationen als auch sein Engagement im Rahmen der von ihm gegründeten MIND-Prevention finden vielfache Beachtung.

Dabei wird deutlich: Das Freund-Feind-Denken führt nicht nur in Nahost zu einer Sackgasse der Diplomatie und Kommunikation. Auch für hiesige Debatten scheint eine differenzierte Betrachtungsweise der Gesamtproblematik überaus wichtig zu sein: Weder gibt es „die“ Palästinenserinnen und Palästinenser, noch sind alle Musliminnen und Muslime gegen den Staat Israel. Die meisten jüdischen Menschen haben keine israelische Staatsangehörigkeit, Antisemitismus ist nicht nur in der muslimischen Welt verbreitet und auch antimuslimische Feindbilder haben Konjunktur. Manche ultraorthodoxen Jüdinnen und Juden, die schon immer in der Diaspora gelebt haben, betrachten Israel zudem gar nicht als ihre originäre Heimat.

Zwischen Jordan und Mittelmeer ist ein System entstanden, dass seinen Bewohnerinnen und

Bewohnern in Abhängigkeit vom Wohnort, ihrer Staatsbürgerschaft sowie ihrer Zugehörigkeit zu bestimmten ethnisch-religiösen Gruppen bestimmte Rechte zu- bzw. aberkennt. Ein System, das von außen kaum zu beeinflussen oder in Gänze zu durchschauen ist.

Einseitige Meinungsäußerungen, vereinfachte Schuldzuweisungen und kollektive Verurteilungen ganzer Bevölkerungsgruppen verbieten sich daher. Diese nicht unkommentiert stehen zu lassen, ist die Verantwortung von uns allen. Dazu Mansour: „Wir dürfen die Konflikte dieser Welt nicht den Radikalen überlassen! Es braucht immer auch differenzierte Gegennarrative, die in der Lage sind, Propaganda etwas entgegenzusetzen.“

Wir danken Ahmad Mansour und der MIND-Prevention GmbH, die das von der Hertie-Stiftung geförderte Projekt „Stark gegen Antisemitismus“ durchführt, für die Möglichkeit, als Polizei Hamburg in einen fachlich fundierten Dialog zum Nahostkonflikt einzusteigen. Zusätzlich zu den beiden Aktuellen Stunden hat Ahmad Mansour weitere Dienstunterrichte zum Nahostkonflikt für die Landesbereitschaftspolizei und weitere interessierte Kolleginnen und Kollegen erteilt, so dass insgesamt rund 400 Polizeibedienstete erreicht werden konnten. Dafür bedanken wir uns ganz besonders!